Fachhochschule, Fachoberschule, Fachgymnasium – ein Überblick der Schulabschlüsse

Überblick der Schulabschlüsse in Deutschland (Quelle:Bigstock-ID-57735110-by-artenot)

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Die Art der Beschulung entscheidet darüber, welche Grenzen und Möglichkeiten sich für die weitere schulische Laufbahn und die Berufsausbildung eröffnen. Zwar spielen auch andere Aspekte wie Lernfähigkeit, sozio-ökonomische Verhältnisse, kulturelle Muster usw. eine Rolle, aber im institutionellen Rahmen entscheiden die Schulabschlüsse darüber, welche weiteren Bildungsangebote wahrgenommen und welche weiteren Abschlüsse erreicht werden können.

Die Vielfalt der Schulabschlüsse

Gerade die Frage der Hochschulzugangsberechtigung ist im Hinblick auf die Schulabschlüsse immer aktuell. Während man an einem Gymnasium eine Allgemeine Hochschulreife erwirbt und man anschließend praktisch jeden Studiengang absolvieren kann, muss bei fachgebundenen Ausbildungen differenziert werden. Hier gibt es Fachgymnasien, Fachoberschulen und Fachhochschulen. Während letzteres eine akademische Ausbildung darstellt ermöglicht das Fachgymnasium die Allgemeine Hochschulreife mit berufsspezifischen Lernschwerpunkten. Eine Fachoberschule ist ebenfalls beruflich ausgerichtet. An ihr kann man die Allgemeine oder Fachgebundene Hochschulreife erwerben.

Wer das deutsche Bildungswesen kennenlernen will, um für sich oder die eigenen Kinder bildungsrelevante Entscheidungen zu treffen, der kommt um eine Auseinandersetzung mit dem dreigliedrigen Schulsystem nicht umher. Das deutsche Schulsystem untersteht laut Grundgesetz dem Staat.

Durch die Kulturhoheit der Länder, sind es die Bundesländer, die die Ausgestaltung der Schulen bestimmen. Das Schulwesen gliedert sich allgemein in den

  • Primarbereich,
  • die Sekundarstufe I und
  • die Sekundarstufe II.

Außerdem gibt es Förderschulen und ergänzende Schulen bzw. Ersatzschulen. Je nach Schulabschluss hat man die Möglichkeit, an Berufsbildenden Schulen oder an Hochschulen weiter zu lernen. In der Regel kann man mit einer Allgemeinen Hochschulreife an einer Universität studieren. Es gibt aber noch andere Wege der akademischen Bildung. Einer davon ist die Fachhochschule (FH).

Die Fachhochschule

Die Fachhochschule ist eine akademische Bildungseinrichtung. Sie ist von einer Universität dadurch abzugrenzen, dass es sich um eine Hochschulform handelt, die zwar Forschung und Lehre vereint, die aber anwendungsorientiert ist und in der die Wissenschaft eher die Basis für die Anwendung darstellt. An einer Universität ist die Wissenschaft der zentrale Schwerpunkt. Eine FH ist auf angewandte Wissenschaften konzentriert. Die Abschlüsse einer FH gleichen denen von Universitäten. Früher war es üblich, hinter dem akademischen Grad die Hochschulart mit „FH“ zu kennzeichnen. Das ist heute nicht mehr üblich. An Fachhochschulen darf allerdings nicht promoviert werden.

Das Studienangebot ist von FH zu FH individuell. Es gibt Fachhochschulen für folgende Disziplinen: Ingenieurswissenschaften, Natur-, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, technische und gestalterische Studiengänge, sowie Studiengänge aus dem Bereich des Gesundheitswesens. Formelle Zulassungsvoraussetzung für ein Studium an einer FH ist entweder die Allgemeine Hochschulreife oder die Fachgebundene Hochschulreife. Es gibt noch andere Zulassungsbedingungen, die den jeweiligen Studienordnungen zu entnehmen sind.

Das Fachgymnasium

Fachgymnasium“ ist ein alter Ausdruck für „Berufliches Gymnasium“. Es ist eine Schulform im Bereich der Berufsbildung. Angeboten wird ein dreijähriger Bildungsgang im Rahmen einer Vollzeitbeschulung für die Sekundarstufe II. Neben den allgemeinbildenden Fächern gibt es ein berufsbezogenes Profilfach. Oftmals wird dieses relativ allgemein mit „Wirtschaft“ oder „Technik“ überschrieben.

Erworben werden kann die Allgemeine Hochschulreife. Zulassungsvoraussetzung ist der Erweiterte Sekundarabschluss I. Ziel ist es, den Zugang zu allen Studiengängen zu ermöglichen, aber auch Perspektiven für eine Berufsausbildung zu eröffnen. Abgänger nach der 12. Jahrgangsstufe erhalten die Fachhochschulreife unter bestimmten Bedingungen. Oftmals ist es üblich, dass höchstens der schulische Teil der Fachhochschulreife anerkannt wird und man für die Fachhochschulreife selbst noch einen praktischen Teil benötigt – eine berufliche Ausbildung oder ein Praktikum.

Die Fachoberschule

Die Fachoberschule ist eine Schulform, in der die Schüler nach der 12. Klasse mit einer Fachhochschulreife abschließen und bei Einrichtung einer 13. Klasse auch eine Fachgebundene oder Allgemeine Hochschulreife erhalten. Die Fachoberschule wird nach beruflichen Disziplinen differenziert. Es findet keine Berufsausbildung statt, sondern eine Spezifizierung des Bildungsangebots auf berufliche Fachrichtungen wie Technik, Wirtschaft, Gesundheit, Gestaltung o. Ä.

Was ist die richtige Schule für mich?

Wichtig bei der Entscheidung für oder gegen eine Schulform ist der persönliche Rahmen, in welchem man sich bewegt:

  • das Umfeld,
  • die Zensuren, Schulerfahrungen,
  • die Zukunftsperspektiven.

Wer schon in seiner Schulzeit weiß, was er später studieren will, kann eine entsprechende Schullaufbahn einschlagen. Meistens ist die Allgemeine Hochschulreife die sinnvollste Alternative an Schulabschlüssen, die zu einem Hochschulstudium befähigt, weil man für jeden Studiengang zugelassen werden kann – in Abhängigkeit vom Studienangebot und dem Numerus Clausus. Wer konkrete berufliche Vorstellungen hat, für diese man nicht studieren muss, der kann die berufsspezifischen Bildungsangebote wählen. Aber auch hier hat man Chancen auf den Erwerb einer Hochschulreife. Wenn diese aufgrund einer Fachausbildung eingeschränkt ist, besteht zumeist der Zugang zu einer Fachhochschule.

Die FH ist eine anerkannte Hochschulform, in der es dieselben Studienabschlüsse gibt wie an Universitäten. Der Fokus liegt stärker auf der Anwendbarkeit des Wissens in beruflichen Kontexten. Weil das deutsche Schulsystem durchlässig ist, kann man bei entsprechenden Angeboten und passenden Leistungen die Schulformen wechseln und somit auch jederzeit über die Art des Abschlusses entscheiden. Wer an einer Fachhochschule studiert, muss allerdings nach seinem Abschluss, sollte er promovieren wollen, sich an Universitäten orientieren, weil es den FHs nicht gestattet ist, Promotionen durchzuführen. Es gibt zwar Pilotprojekte, in denen bestimmte Fachrichtungen an ausgewählten FHs unter bestimmten Bedingungen ein Promotionsrecht erhalten, aber allgemeine Regel ist das nicht.

Fazit

Fachhochschule, Fachoberschule und Fachgymnasium beinhalten zwar das vorangestellte „Fach“, sind aber als Schul- bzw. Bildungsform grundverschieden. Das Fachgymnasium ist eine reguläre Bildungseinrichtung, in der man die Allgemeine Hochschulreife erhalten kann. Es wird nicht auf eine Fachgebundene Hochschulreife hingearbeitet, sondern die Allgemeinbildung wird durch ein zusätzliches berufsorientiertes Fach ergänzt. Dennoch ist die Fachgebundene Hochschulreife möglich. Diese ist je nach Bundesland an einer Berufsoberschule, Fachakademie, Berufsfachschulen, Berufskollegs, Studienkollegs oder beruflichen Gymnasien zu erhalten. Letzteres ist ein Synonym für das Fachgymnasium. Die Fachoberschule ist im Sekundarbereich II angesiedelt. Hier kann man sowohl die Allgemeine als auch die Fachgebundene Hochschulreife erwerben.

Fachoberschulen sind nach beruflichen Branchen gegliedert, weshalb sie zu den Berufsbildenden Schulen zählen. Die Fachhochschule ist eine akademische Einrichtung, in welcher Studienabschlüsse erworben werden können, die akkreditiert sind und zum Tragen akademischer Grade berechtigen. Ein Promotionsrecht besteht nicht. Fachhochschulen sind insbesondere geeignet für Menschen, die anwendungsorientiert arbeiten wollen und konkrete Berufsvorstellungen haben. Auch wenn die Entscheidung für einen bestimmten Abschluss den Ausschluss von anderen Möglichkeiten bedeutet, so ist zu bedenken, dass das deutsche Bildungswesen linear ausgerichtet ist und es immer zwangsläufig zum Ausschluss anderer Möglichkeiten kommt. Zu bedenken ist aber auch, dass es für eine möglichst große Flexibilität von Vorteil ist, eine Allgemeine Hochschulreife zu erwerben, mit der man sowohl an Universitäten als auch an FHs lernen kann.

 

 

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