Hasskommentare im Internet

Hate speech - Hasskommentare im Internet nehmen zu

Hate speech – Hasskommentare im Internet nehmen zu

Hasskommentare im Internet: Wie „hate speech“ unsere Kommunikation prägt

Die Entwicklung des Internets als ein Medium für Kommunikation und Information hat sich vor allem durch die sozialen Netzwerke verändert. Dienste wie Twitter, Facebook oder Google Plus erlauben es den Menschen, sich über tagesaktuelle Themen zu informieren und sich mit anderen Menschen auf eine einfache Weise auszutauschen. Was ein großer Fortschritt für die Kommunikation ist, bringt allerdings auch Probleme mit sich. Vor allem die Hasskommentare und rechte Hetze haben sich in den letzten Jahren zu einem Ärgernis entwickelt. Durch die Anonymität des Webs werden rechte Parolen ebenso verbreitet wie Beleidigungen und Drohungen. Wie ist es zu diesem Problem gekommen und was wird dagegen getan?

Was sind eigentlich Hasskommentare?

An sich handelt es sich noch um eine recht neue Entwicklung. Natürlich war der Ton, besonders in den sozialen Netzwerken und in den Kommentaren der digitalen Zeitungen, schon immer angespannt und ausufernd. Dahinter steht vor allem der Gedanke vieler Menschen, dass sie im Internet anonym sind und keine Folgen für ihre Äußerungen zu erwarten haben.

Sie nutzen den Deckmantel von Nicknames und falschen Identitäten um fragwürdige politische Ansichten zu vertreten oder sich direkt gegen Menschen zu wenden und sie zu beschimpfen. Allerdings ist in den letzten Jahren vor allem die Form und die Menge solcher Kommentare in den verschiedenen Webseiten eskaliert. Mit der Kultur des Shitstorms, also des gesammelten Vorgehens gegen ein Unternehmen über das Internet, sind auch die letzten Hürden der sogenannten Nettiquette gefallen, die über viele Jahre ein Standard auf Plattformen im Internet war.

Das sogenannte Hate Speech hat sich vor allem durch die politische Landschaft noch weiter verändert. Mit kontroversen Themen wie der Flüchtlingskrise, dem Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und politischen Entscheidungen in anderen Ländern, scheinen die Hemmungen noch weiter zu fallen. Weil viele Menschen noch immer das Gefühl haben, dass sie ihre Meinung in der realen Welt nicht folgenlos äußern können, verlagern sie den Hass in das Internet. Sie beschimpfen Minderheiten, bedrohen unliebsame Personen des öffentlichen Lebens oder wenden sich direkt mit Beschimpfungen gegen andere Personen. Der Umgangston im Internet wird rauer und somit problematischer.

Für die beschriebenen Zustände wurde jüngst das Wort des Jahres gekührt: Postfaktisch.

Was für Menschen stehen hinter den Hasskommentaren und was ist ihr Ziel?

Es lässt sich nicht auf eine bestimmte politische Strömung oder Personengruppe eingrenzen, wenn es um die Suche nach den Urhebern hinter den Kommentaren geht. Sowohl das linke Spektrum als auch Menschen am rechten Rand der politischen Gesinnung nutzen das Element von Hate Speech für sich. Auch der organisierte Kampf gegen Minderheiten, Unternehmen oder bestimmte kulturelle Ansichten mischt sich in der Personengruppe. Während es über Jahre so war, dass die Personen oder Gruppen eher eine Seltenheit waren, scheint sich derzeit eine große Bewegung zu entwickeln. Sie nutzen die Hasskommentare im Internet vor allem dafür, bestimmte politische Ideen zu verbreiten. Auch wird auf diese Weise versucht, eine unpopuläre Meinung durch das Internet zu einem echten Thema zu machen.

Besonders gerne wird Hate Speech auch zur Einschüchterung oder zum sogenannten „derailen“ von Diskussionen benutzt. Auf diese Weise werden konstruktive Ideen und Diskussionen auf eine persönliche und verletzende Ebene gebracht. Die Folge ist es, dass die Themen nicht mehr besprochen werden und aus dem Blickfeld der Gesellschaft verschwinden. Das macht Hate Speech zu einem Werkzeug für die gezielte Manipulation in einer gesellschaftlichen Debatte.

Warum gelingt es den Plattformen nicht die Hasskommentare einzudämmen?

Das Problem ließe sich natürlich aus der Welt schaffen, wenn Facebook, Twitter und die anderen Unternehmen die Personen, die sich der Hasskommentare bedienen, einfach von der Nutzung ihrer Dienste ausschließen. Allerdings haben die Bemühungen der Vergangenheit gezeigt, dass es für die Menschen hinter diesen Konzernen beinahe unmöglich ist, einen direkten Einfluss auf die Zahl und auf die Intensität solcher Kommentare zu nehmen. An diesem Punkt sind es technische Einschränkungen und natürlich auch rechtliche Vorgaben.

  • Ein gesperrter User kann sich binnen von wenigen Sekunden einen neuen Account machen und direkt wieder in eine Diskussion einsteigen. Zudem sind mehrere Accounts pro Person möglich.
  • Da es keine Kontrolle über die tatsächlichen Namen der Personen gibt, ist eine strafrechtliche Verfolgung stark erschwert. Nur in besonderen Fällen greifen die Behörden ein und ermitteln die Verursacher hinter Hate Speech (siehe EXTRA zu diesem Artikel).
  • Inzwischen sind die Diskussionen so ausufernd, dass sie mit verschiedenen Elementen geführt werden. Auch die Organisation durch versteckte Gruppen, die gezielt die Kommentare einer Seite stürmen, sind inzwischen keine Seltenheit mehr.

Diese Dinge machen es fast unmöglich, einen Zugriff auf die Verursacher zu erhalten. Zwar haben die Dienste wie Facebook in den letzten Monaten ihre Strategie verändert und es gibt eine schnellere Reaktion auf problematische Inhalte, allerdings ist bei der reinen Menge an Hate Speech noch kein Erfolg zu erkennen.

Kann ein einfacher User gegen Hasskommentare vorgehen?

Natürlich spielen auch die einfachen Benutzer eine Rolle im Kampf gegen Hate Speech im Internet. Da sie in den meisten Fällen die ersten sind, die von solchen Kommentaren betroffen sind, ist es wichtig, die verschiedenen Funktionen der Webseiten zu nutzen. Bei Facebook können problematische Inhalte mit nur einen Knopfdruck gemeldet werden und werden dann durch die Mitarbeiter des sozialen Netzwerks überprüft.

Ähnliche Funktionen gibt es auch bei vielen anderen Webseiten. Es erleichtert die Arbeit der Angestellten und ist ein kleiner Schritt, mit dem Hasskommentare weiter eingedämmt werden können. Damit enden die Möglichkeiten für die einfachen Nutzer allerdings bereits. Derzeit ist es also kaum möglich, die Lage zu kontrollieren oder zu verbessern. Es hilft nur, sich aus Diskussionen herauszuhalten und Menschen zu ignorieren, die sich auf diese Weise im Internet beteiligen.

EXTRA:Exemplarische Hasskommentare auf facebook

Auf der Facebookseite des Gründers der fremdenfeindlichen PEGIDA-Organisation finden sich zahlreiche Beiträge des Seiteninhabers, die zu Hasskommentaren aufrufen oder mindestens provozieren.

Post des PEGIDA Gründers

Post des PEGIDA Gründers

Lutz Bachmann wurde 2016 vor dem Amtsgericht Dresden wegen Volksverhetzung zu 9600€ Strafe verurteilt (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/lutz-bachmann-pegida-gruender-wegen-volksverhetzung-verurteilt-a-1090653.html) und nutzt seitdem facebook seine Seiten regelmäßig sperrt neue Accounts (Zur Zeit Lutz Bachmann 3).

Hier wird meistens nach dem selben Schema rechte hetze verbreitet:

Der Seiteninhaber stellt Pressemeldungen ironisch dar und dramatisiert nach seinen Vorstellungen, meistens legal, da er nie direkt beleidigt:

Im ersten Teil des Postings versucht er zu suggerieren, dass nach Monaten der Unterbringung von Flüchtlingen eigentlich nicht viel “kaputt gehen kann”.

Das nach der massenhaften Notunterbringung Geflüchteter eine Renovierung natürlich notwendig ist, um diese Einrichtungen wieder sportlich nutzen zu können, dürfte nach kurzer Überlegung klar sein.

Im zweiten Teil persifliert er die Geflohenen und stellt diese herabwürdigend und entmenschlichend als Nutznießer des deutschen Staates dar, in dem er die Eigenschaften einer aktuellen Studie zum Habitus von Flüchtlingen als von der “Lügenpresse” gefälschte Darstellung interpretiert, die im krassen Gegensatz zu der im Post oben zitierten Aussage steht. Den Tonus könnte man wie folgt zusammenfassen:

“Diese angeblich so gebildeten Flüchtlinge benehmen sich nicht wie normale Menschen”

Dabei wird ein Fakt außer Acht gelassen und typischerweise für Hasskommentare auch als unwichtig betrachtet: Die Aussage im Post selber ist eine Lüge oder zumindest eine Umdeutung des zitierten Artikels (Quelle siehe unten!): Ob die entstandenen Schäden von Flüchtlingen verursacht wurden, muss erst geklärt werden, heißt es weiter unten im Originaltext.

Was folgt, sind Paradebeispiele sogenannter Hasskommentare seiner “Fans:

 

Hasskommentare auf facebook

Hasskommentare auf facebook

 

 

Beispielhaft soll hier der von Michael Düchting untersucht werden:

(Quelle: https://www.facebook.com/plugins/comment_embed.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Flutzbachmannofficial%2Fposts%2F1420661281292199%3Fcomment_id%3D1420665331291794&include_parent=false“ )

“Das frage ich mich auch. Anscheinend sind die es gewohnt in ihrer Heimat alles voll zu scheißen und zu zerstören. Die müssten doch Sehnsucht haben in ihrer zerbombten Städte zurück zu kehren. Dort ist alles kaputt und sie brauchen es nicht mehr selbst zu machen. Also, noch weniger Arbeit für diese Facharbeiter.”

Eine genaue Struktur und ein direkter Zusammenhang zum Text scheint auf den ersten Blick nur schwer erkennbar, da der Verfasser des Kommentars, wie hier üblich “drauflos schreibt”, ohne sinnvolle grammatikalische oder syntaktische Regeln zu beachten.

In keinster Weise wurde eine fäkale Verunreinigung im Text erwähnt, die Formulierung von “Lutz Bachmann 3” und die Deutung von Herrn Düchting machen aus “möglicher Verunreinigung durch Flüchtlinge in einer Notunterkunft” eine fäkale und aggressive Zerstörung.

Durch den Bezug zu deren “Heimat” wird das völkische Gedankengut” des Posters deutlich: Ein Zusammenhang von Rasse und Verhalten ist hier ebenfalls typische Grundlage der Meinungsbildung, die solchen Hasskommentaren vorausgehen.

Zum Schluss macht der Poster noch darauf aufmerksam, dass das Schicksal der (offensichtlich syrischen) Flüchtlinge “hausgemacht” ist: Die Zerstörung der Gebäude in der Heimat stehen im direkten Interpretationverhältnis zu der vermeintlichen Zerstörung in den Notunterkünften.

Quelle Originalbericht: “Bei den Sportvereinen wächst der Frust “15.11.16 | 07:28 Uhrhttp://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/berlin/2016/11/fluechtlinge_berlin_turnhallen.html

 

 

Bildquelle:

Bigstock

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