Psycho-Tricks der Supermärkte entlarven

Und wieder ist der Wagen voller, als er eigentlich hätte sein sollen. Wem diese Gedanken nach einem Einkauf bekannt vorkommen, sollte sich gegen die Tricks der Supermärkte wappnen. Denn diese arbeiten mit ausgeklügelten Technologien, um Käufer gekonnt zu manipulieren. Einige Unternehmen arbeiten sogar mit speziell ausgebildeten Wirtschaftsforschern und Psychologen zusammen, um das Kaufverhalten der Verbraucher zu untersuchen, auszuwerten und für den Supermarkt gewinnbringend ändern zu können. Doch wer auf folgende Dinge beim alltäglichen Lebensmitteleinkauf Acht gibt, kann den Fallen der Supermärkte geschickt entwischen.

Supermarktbremse für Ruhe und Zeit beim Einkaufen

Die durchschnittliche Einkaufsdauer von Deutschen beträgt zwischen 13 und 21 Minuten. In der Regel sind Männer schneller fertig als Frauen und wollen sich ungern von ihrem eigentlichen Plan ablenken lassen. Doch die Verbrauchermärkte sorgen von vornherein dafür, dass ihre Käufer zur Ruhe gebracht werden. Nur so sind sie in der Lage vom vielfältigen Angebot beeinflusst zu werden und mehr einzukaufen, als sie eigentlich wollten.

Die erste Falle lauert bereits an den Eingangstüren. Diese werden nicht nur elektronisch gesteuert, weil sie damit den Komfort beim Einkaufen erhöhen. Gleichzeitig kann so dafür gesorgt werden, den Käufer gleich zu Beginn zu bremsen. Auch wenn er den Laden schnell betreten und verlassen will, muss er zunächst warten, bis die langsamen Eingangstüren ihn in den Laden hineinlassen. Viele Supermärkte arbeiten sogar mit mehreren elektrischen Eingangstüren, um den Effekt zu verstärken.

Weiter geht es dann im Inneren der Einkaufsstätte, die absichtlich als eine Art Parcours aufgebaut ist. Die Wege im Markt werden von Verkaufspaletten oder Metallboxen blockiert. Wer als Käufer auf der Suche nach Butter, Milch oder Wurst ist, ist gezwungen an diesen „Blockern“ vorbeizulaufen. Denn die Dinge, die sich im Kühlregal befinden und beinahe bei jedem Einkauf gebraucht werden, sind extra so im Markt platziert, dass man diesen einmal komplett durchqueren muss. Damit gehen die Supermärkte sicher, dass die Käufer zumindest einen Teil des Angebots wahrnehmen, an dem sie eigentlich kein Interesse haben.

Gute Laune lockert den Geldbeutel

Doch nicht nur Entschleunigung sorgt für kauffreudigeres Verhalten. Auch Stimmung und Laune der Kunden spielen eine große Rolle. Wer schlecht gelaunt in den Supermarkt geht, ist weniger offen für Angebote und möchte in der Regel nur seine Einkaufsliste schnell abarbeiten. Deswegen dringt aus den Lautsprechern friedliche Musik, die die Wut abflauen lässt und uns zur Ruhe bringt.

Viele Supermärkte sind zudem architektonisch so aufgebaut, dass man im Eingangsbereich einen Bäcker oder ein kleines Café findet. Sowohl der Duft von frisch gebackenem Brot als auch der von heißem Kaffee verbessert nachweislich die Laune von Kunden. Zusätzlich herrscht im Markt eine Temperatur, die die Käufer weder frieren noch schwitzen lässt. Die Kunden sollen sich so gut behandelt wie möglich fühlen, damit sie Spaß beim Einkaufen haben und gerne Geld ausgeben möchten.

Ordnung ist die halbe Miete – oder für Supermärkte doppelter Gewinn

Die Gefahr lauert im gut sortieren Regal...

Die Gefahr lauert im gut sortieren Regal…

Eine andere Falle, in die man vor allem unter Hektik schnell tappt, ist die geschickte Präsentation der Waren im Verbrauchermarkt. Elektroartikel werden unter besonderer Beleuchtung präsentiert, sodass ihre glänzenden Oberflächen noch besser zur Geltung kommen. Spezielles Licht und Spiegel über der Gemüse- und Obstabteilung lassen die Produkte frischer und aromatischer aussehen, sodass ein Kauf leichter fällt. Die Artikel, die einen hohen Gewinn bedeuten, werden gekonnt in Szene gesetzt. Zudem befinden sich diese Produkte auf Augenhöhe. Ganz im Gegensatz zu günstigen Waren wie Zucker oder Mehl. Wer hier sparen will, muss meist einen Blick in die unteren Regalzeilen werfen.

In diese Kategorie fällt auch das „Framing“. Verkäufer platzieren bestimmte Waren in einer Art Rahmen, die die Kaufentscheidung leichter macht.

Hat der Käufer die Wahl zwischen drei Produkten, so wählt er in den meisten Fällen das, dessen Preis sich in der Mitte befindet (Framing).

Das funktioniert vor allem bei Artikeln, bei denen sich der Großteil der Käufer nicht auskennt, wie Wein, Feinkostspezialitäten oder elektronische Waren. Ferner sollte man beim Einkaufen darauf achten, sich von Preisschildern nicht zu sehr hinters Licht führen zu lassen. Oft nutzen Supermärkte rote Preisschilder, um beispielsweise Rabatte zu suggerieren, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Auch das Durchstreichen eines angeblich ehemaligen Preises gehört zu dieser Strategie. Kunden gehen in diesem Fall von einer Reduktion des Preises aus, die es eventuell nie gegeben hat.

Trennung der Geschlechter erwünscht

In den meisten Fällen bedeuten männliche Kunden einen geringeren Gewinn als weibliche Käuferinnen. Männer regen sich schneller auf und sind oft sehr ungeduldig. Sie verlieren schnell den Spaß am Einkaufen. Deswegen ist es das Ziel vieler Supermärkte, gemeinsam einkaufende Pärchen zu trennen, um die Damen in aller Ruhe einkaufen zu lassen, während den Männern die Chance genommen wird, ihre Frauen durch den Supermarkt zu hetzen. Vor vielen Märkten findet man daher Bratwurststände oder Grillwagen, an denen die Männer gerne warten. Zusätzlich werden (Aktions-)Produkte, die Männer interessieren oft im ersten Drittel des Ladens platziert, um die Paare möglichst schnell voneinander zu trennen.

Den Fallen der Supermärkte entkommen

Wer die Tricks der Supermärkte erkannt hat, kann sein Einkaufsverhalten bewusst ändern und in Zukunft gezielter einkaufen. Das bedeutet, dass man sich trotz eingebauter Stopps wie Verkaufsboxen oder Aktionspaletten nicht ablenken lassen sollte oder der beruhigenden Musik kein Ohr schenkt. Wenn die Zeit knapp ist und der Einkauf schnell gehen soll, werden nur die Waren gekauft, die wirklich gebraucht werden. Wer außerdem wenige Dinge braucht, sollte auf einen Wagen verzichten. Denn diese sind so groß konzipiert, dass wenige Waren darin verloren wirken und man das Bedürfnis hat, den Wagen mit weiteren Artikel zu füllen.

Zu guter Letzt sollte man nie mit leeren Magen einkaufen gehen. Wer einen Supermarkt hungrig betritt, läuft leichter Gefahr, viele Artikel zu kaufen, für die er satt kein Interesse hätte. Probierstände sollten daher unbedingt gemieden werden. Die kleinen Happen aktivieren die Verdauung und lassen Hunger entstehen. Das probierte Produkt landet also schnell im Einkaufswagen, weil der Magen danach verlangt. Besser ist es dagegen, sich vor dem Einkauf zu sättigen, eine Liste zu schreiben und sich nicht unnötig lange im Supermarkt aufzuhalten.

 

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