Pokemon Go – Trends und Hintergründe

Wenn es aktuell einen Trend gibt, der alle Altersklassen, Religionen und gesellschaftliche Schichten vereint, dann ist es wohl Pokemon Go, die virtuelle Jagd nach kleinen Monstern auf dem Smartphone. Selbst wer noch nie von diesem Spiel aus dem Hause Nintendo gehört hat, wird kaum an Pokemon Go vorbeikommen. An allen Straßenecken, auf belebten Plätzen, ja sogar auf Autobahnen im Stau stehen Menschen und starren wie gebannt auf den Bildschirm Ihres Smartphones, immer auf der Suche nach Pikachu und Co. Doch was macht den Reiz dieses Spieles aus? Ist das der Beginn der Verschmelzung zwischen realer und virtueller Welt? Und hat Pokemon Go das Zeug dazu, auch nach dem Trend noch ein Spiel der Oberklasse zu bleiben?

Pokemon Go - der Hype in Deutschland und dem Rest der Welt

Pokemon Go – der Hype in Deutschland und dem Rest der Welt

Pokemon Go – Das steckt dahinter

Pokemon (die Abkürzung steht für Pocket Monster) traten zum ersten Mal auf den Handheld Konsolen von Nintendo in den 1990er Jahren auf. Damals waren vor allem Kinder der Faszination des Jagens und Sammelns erlegen und steuerten Ihren Charakter durch phantasievolle Welten, um der „beste Pokemon Trainer der Welt“ zu werden. Das Spielprinzip ist dabei einfach erklärt (und unterscheidet sich nicht wesentlich von der Spielmechanik bei Pokemon Go):

In einer virtuellen Welt geht der Spieler auf Monsterjagd, fängt die unterschiedlichen Monster-Spezies mit einem Pokeball ein, trainiert seine Monster fortan und schickt sie darauf in den Kampf gegen andere Pokemon.

Das Spiel spricht dabei gezielt den Sammeltrieb in uns an. Immer neue Monster wollen gefunden und trainiert werden und Ruhe ist erst dann, wenn die Sammlung komplett ist.

Pokemon Go bringt Mitte 2016 die virtuelle in die reale Welt. Das Spiel beruht auf der Engine von Ingress, einem Spiel aus der Schmiede von Niantic. Der Softwarehersteller nutzt dabei bestehende Karten der realen Umgebung und das GPS System der Smartphones, um die Welt um uns herum zu einem riesigen Spielfeld zu machen. Während wir uns also mit dem Smartphone auf den Weg durch die Straßen unserer Umgebung machen, projiziert die Game-Engine auf die Kartendaten Monster, Arenen und gut versteckte Gimmicks, die es zu erforschen gilt. Eine erfolgreiche Monsterjagd kann also nur stattfinden, wenn der Spieler sich aktiv bewegt – das Vorurteil, dass Gamer Stubenhocker sind, zählt also zukünftig nicht mehr.

Augmented Reality – Die Zukunft?

Die Vernetzung von realer und virtueller Welt nennt der Fachmann „Augmented Reality“, also grob übersetzt „Erweiterte Realität“. Bei Pokemon Go sind es die Monster, die von der Software mittels der handyeigenen Kamera in die reale Welt gebracht werden, andere Anwendungen erweitern die Realität mit Hinweisen zu der Umgebung, detaillierten Informationen zu einem Objekt, was wir gerade betrachten oder bringen gar ganze Maschinen virtuell auf einen Messestand. Die Technik steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber wenn man bedenkt, was neueste Technik in Form von VR-Brillen (Oculus Rift) oder auch Google Glass an Möglichkeiten eröffnet, scheint Augmented Reality zukünftig unseren Alltag mitzugestalten. In der Industrie ist Augmented Reality stellenweise schon angekommen. Techniker, die hochkomplizierte Anlagen und Maschinen zu reparieren und zu warten haben, können sich auf ihren Smartphones oder stellenweise auch schon direkt im Sichtfeld (mit Hilfe einer Brille) alle benötigten Details, Baupläne und Montageanweisungen anzeigen lassen – in Echtzeit und direkt vor Ort!

Pokemon Go – Und was kommt danach?

Wenn man mal ehrlich ist, ist Pokemon Go zwar unterhaltsam, aber noch weit entfernt von der perfekten Verschmelzung digitaler und realer Welten. Hierfür ist die Barriere, nämlich das mit sich zu tragende Smartphone, noch zu groß. Erst mit der weiten Verbreitung mobiler Datenbrillen oder gar Kontaktlinsen mit digitaler Erweiterung werden virtuelle Welten nach und nach in unser Leben Einzug halten. Sobald wir es schaffen, für Augmented Reality keine unhandlichen Zusatzgeräte mehr zu benötigen, wird der Siegeszug der digitalen Welten nicht mehr aufzuhalten sein.
Die Chancen sind dabei leider genauso groß wie die Risiken. Schon heute sind unsere Daten nicht mehr sicher, selbst wenn man „nur“ Pokemon Go spielt. Warum? Nun, während wir durch die Straßen laufen und fleißig Monster jagen, schicken wir einen kontinuierlichen Strahl an Bewegungsmustern und Fotos der Umgebung an einen fremden Server und geben dadurch die Oberhand über unsere Daten ab. Natürlich verspricht der Anbieter höchsten Schutz der Daten, aber kann man sicher sein, dass die Daten wirklich nicht zweckentfremdet werden?

Pokemon Go – Was bleibt vom Hype?

Die Erfahrung zeigt, dass viele einst hochgelobte Innovationen sang- und klanglos unter dem Staub der Geschichte verschwinden. Wer erinnert sich beispielsweise noch an Second Life, der virtuellen Welt, die Anfang des Jahrtausends das Internet revolutionieren wollte? Übrig geblieben ist von den großen Zielen wenig, aktuell bevölkert nur noch eine kleine Schar hartgesottener Fans das Universum von Second Life. Die Fanbase ist allerdings klein, aber konstant, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird es sich mit Pokemon Go ähnlich verhalten.

Pokemon Go verbindet virtuelle Welt mit der Realität

Pokemon Go verbindet virtuelle Welt mit der Realität

Die Casual Spieler, die derzeit massenhaft auf Monsterjagd gehen, werden über kurz oder lang die Freude am Spiel verlieren und sich anderen Beschäftigungen zuwenden. Die echten Fans hingegen werden Pokemon Go auch weiterhin die Treue halten – und für den benötigten Umsatz sorgen. Denn nur durch Hardcore-Gamer, die die vielfältigen Ingame-Kaufmöglichkeiten nutzen, wird ein Spiel wie Pokemon Go am Leben erhalten. Stimmen die Verkaufszahlen, wird investiert – was sich wiederum in Updates, neuen Monstern oder ähnlichem zeigt. Ebenfalls nicht auszuschließen ist, dass Nintendo zukünftig wieder mehr auf mobile Konsolen setzt. Ein Gameboy mit mobilem Internetzugang würde nicht wenige Käufer finden und ein auf diese Geräte hin optimiertes Pokemon Spiel wäre sicherlich ein großer Verkaufserfolg.

Pokemon Go hat zweifelsohne großen Erfolg. Das Spielprinzip ist einfach, zugänglich und generationsübergreifend für alle Altersklassen geeignet. Da sich nur zu Fuß Monster fangen lassen, wird der Spieler dazu gebracht, sich aktiv zu bewegen. Und die besten Monster verbergen sich an interessanten Orten – so wird gespielt und gleichzeitig die Welt entdeckt.

Das Spiel wird völlig zu Recht gehypt, und genauso völlig zu Recht wird es in einigen Monaten wieder in der Versenkung verschwinden.

Für einen jahrelangen Erfolg fehlt es einfach an Abwechslung und es bleibt abzuwarten, ob in den kalten Wintertagen noch genauso viele Spieler auf Monsterjagd gehen wie aktuell. Was aber vom Hype bleibt, ist die erweiterte Realität. Und diese wird sich weiter entwickeln, ob in der Spieleszene oder in der Industrie. In einigen Jahren wird Augmented Reality Teil unseres Lebens sein. Ob wir das wollen oder nicht.

 Bildquelle: bigstock

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