Stickerkult: Trend der kleinen Statments

Die ganze Stadt ist eine Galerie. Dieses Motto hat sich in den vergangenen Jahren stärker durchgesetzt und lässt sich in den modernen Szenen von Berlin bis New York beobachten. Damit sind aber nicht die Graffitis ohne Aussagen früherer Zeiten gemeint, die über Jahrzehnte Mauern, Züge und dunkle Gassen geschmückt haben. Der Trend der modernen Zeit ist bei den Stickern zu finden. Der Wunsch, die eigene Stadt mit Botschaften oder auch Markierungen jeder Art zu verschönern, hat zu einer breiten Vielfalt an unterschiedlichen Stickern geführt. Dabei ist der Trend in der heutigen Zeit ein wichtiger Bestandteil von vielen Szenen auf der gesamten Welt.

Wie entstand der Trend der Sticker?

Den meisten Menschen sind die kleinen Aufkleber noch aus den frühen Zeiten in der Schule bekannt. Dort gab es Alben unterschiedlichster Arten, in denen die Motive der liebsten Serien für Kinder oder andere Dinge landeten. Besonders bekannt sind auch die Alben, in denen zu den Sportevents die Aufkleber gesammelt und mit anderen Menschen getauscht werden können. Während dieser Trend über die Jahre ein wenig abgeflaut ist, hat sich spätestens mit dem Wechsel in das neue Jahrtausend aber eine ganz andere Form des Trends mit den Stickern entwickelt. Heute sind sie nicht mehr für das private Album zum Sammeln. Sticker gelten als eine neue Form der Kunst der Straße. Dieser Trend hat sich binnen von wenigen Jahren zu einem Phänomen entwickelt, das in beinahe jeder Großstadt (und natürlich auch kleinen Städten) zu finden ist.

Die Entwicklung speist sich vor allem aus der Straßenkunst in den letzten Jahren. Die Tagger, also die Graffitis, die eigentlich jedem bekannt sind, wurden immer weniger populär. Stattdessen haben einzelne Personen und ganze Kollektive die Möglichkeit entdeckt, durch subversive Botschaften in der Öffentlichkeit Statements zu Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu machen. Ein gutes Beispiel dafür ist der britische Künstler Banksy. Der oder die Künstlerin – es ist bis heute nicht gesichert, wer es wirklich ist – hat durch Zeichnungen, Schablonen-Kunst und andere Möglichkeiten in den verschiedensten Ländern Botschaften hinterlassen. Sicherlich auch dadurch inspiriert, hat sich die Wirkung von Stickern verwendet. Heute findet man sie von der zugeklebten Toilette in Clubs bis hin zu Verkehrsinseln, in denen die verschiedensten Szenen den öffentlichen Raum als ihre persönliche Galerie nutzen.

Wer nutzt den Stickerkult als Straßenkunst?

Wer die Szene bestimmt oder ob es eine bestimmte Form von Menschen und Gruppen gibt, die in der Stickerkunst aktiv sind, lässt sich kaum noch sagen. Viele unterschiedliche Bewegungen und Strömungen haben die Stickerkunst als eine Möglichkeit der öffentlichen Kommunikation für sich entdeckt und manche von ihnen nutzen diese Aufkleber inzwischen sogar, um bestimmte Reviere abzustecken. Ein gutes Beispiel findet sich natürlich in der Künstlerszene. Diese hat den Trend so erfolgreich gemacht und nutzt die vergleichsweise harmlose Form der öffentlichen Beschädigung von Eigentum, um verschiedene Botschaften zu verbreiten oder einfach um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Dabei gibt es natürlich auch hier ganz unterschiedliche Ideen und Beweggründen, die hinter diesem Trend stehen. Ist es für manche vor allem eine harmlose Form des öffentlichen Widerstands, ist es für andere Gruppierungen eine sehr gute Möglichkeit, die die Idee der Straßenkunst und der Guerilla-Kommunikation weiter ausgebaut und genutzt werden kann.

Eine typische Szene, die die Sticker für ihre Zwecke nutzt ist, ist die Ultra-Bewegung innerhalb des Sports und insbesondere des Fußballs. Beinahe jeder große Verein verfügt über eine oder mehrere Bewegungen der Ultras, die der Kommerzialisierung des Fußballs entgegenstehen. Diese verbindet meist bestimmte Rivalitäten mit Gruppierungen aus anderen Städten oder von anderen Vereinen. Sie nutzen die Sticker mit ihren Logos und ihren Mottos, um sich sowohl im fremden Territorium bemerkbar zu machen als auch zur Abgrenzung des eigenen Territoriums in der Stadt. Ein Aufkleber einer feindlichen Gruppierung in der Nähe des eigenen Bereiches wird hier als eine Demütigung gesehen. Das zeigt auch den klassischen Einsatz der Sticker in diesem Bereich.

Natürlich gibt es aber auch interessante Aktionen, die mit den Stickern verbunden sind. Das Projekt Strichcode der Stadt Hannover hat es etwa ermöglicht, dass der öffentliche Raum nur mit der Hilfe von Etiketten von Preisen eine neue Fassade erhält. Diese organisierten Aktionen, die in Zusammenarbeit mit den Behörden passieren, werden immer häufiger.

Die verschiedenen Formen der Sticker

Bei den Materialien der Sticker gibt es große Unterschiede. Neben den klassischen Aufklebern, die mit der Hilfe von Plastik hergestellt werden, gibt es inzwischen aber auch eine Bewegung, die sich vor allem für eine nachhaltige Produktion der Aufkleber einsetzt. Daher finden sich in den verschiedensten Großstädten inzwischen auch Anbieter, die etwa vegane Aufkleber produzieren. Auch die einfachen Bezugsquellen, wie Onlinedruckereinen im Internet haben den Trend befeuert: Auf Camaloon z.B. können Aufkleber individuell bedruckt werden und sind schnell einsatzbereit. Niedrige Stückkosten machen das Bekleben in der Öffentlichkeit somit nicht mehr zum Luxushobby!

Stickerkult weltweit!

Stickerkult weltweit!

Die rechtliche Bewertung der Sticker-Szene

Während die Graffitis weiterhin als eine Sachbeschädigung gelten und inzwischen sogar mit Haftstrafen geahndet werden, gibt es eine solche Anwendung der Gesetze bei den Stickern nicht. Der Staat beurteilt die Sticker als sogenannte „Wildplakatierung„, was also im Fall des Falles eine Ordnungswidrigkeit ist und eine entsprechende Geldstrafe nach sich ziehen kann. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren, vor allem innerhalb der Rathäuser, eine Bewegung gegen die Sticker entwickelt. Diese werden als Belästigung und Verunstaltung wahrgenommen. Die Stadt Köln hat bereits Projekte in das Leben gerufen, mit denen die Sticker aus der Stadt verbannt werden sollen.

Generell sollte darauf verzichtet werden, die Sticker auf Verkehrsschildern oder auf privatem Eigentum anzubringen. Dies kann, je nach Bewertung, immer noch zu einer Anzeige führen, sofern es zu einer Untersuchung kommt. In allen anderen Fällen handelt es sich um einen sehr interessanten Trend, der vor allem in den Innenstädten zu einer neuen Form der öffentlichen Kommunikation geführt hat und daher auch ein wichtiger Bestandteil der modernen Straßenkunst ist, die immer weiter aus den Städten verschwunden ist.

Bildquelle: bigstock ID 55629779 by Twin_esign

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