Donald Trump – die republikanische Trompete

Donald Trump – die republikanische Trompete

Ein Gespenst geht um in den USA: Donald Trump. Keiner hat ihn kommen sehen, fast alle haben ihm keinerlei Chancen eingeräumt und waren sich dessen so sicher, wie dass jeder US-Bürger sich auch in Zukunft an jeder Ecke mit Waffen wird eindecken können.

Donald Trump – kein System ist auch ein System

Es fehlt Trump jeder erkennbare und nachvollziehbare Plan. Außenpolitik? Er bewundert Putin – aber was folgt daraus? Gesundheitsreform von Obama? Wird er so schnell wie möglich wieder abschaffen, sollte er Präsident werden. Eine Mauer zwischen den USA und Mexiko, das ist ein konkreter Plan.

Amerika wieder groß machen, so sieht seine Vision aus. Wie das geschehen soll und welches Gesicht ein großes Amerika à la Trump haben wird, darüber darf spekuliert werden.

Trump ist kein Antikapitalist, kein Sozialist, kein Konservativer, er ist nur Donald Trump, und allein das bürgt für seinen Erfolg.

Provokation und Herabwürdigung: Einige reden von Donald Trump wären in Deutschland undenkbar! (Wahlkampfveranstaltung in Nevada, 10.1.2016)

Provokation und Herabwürdigung: Einige reden von Donald Trump wären in Deutschland undenkbar! (Wahlkampfveranstaltung in Nevada, 10.1.2016)

Die Trompete bläst schräg und vor allem laut

Fein gezirkelte und wohl überlegte Formulierungen sind nicht nach dem Geschmack von Donald Trump. Er spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, er nimmt kein Blatt vor den Mund, er sagt, was doch mal gesagt werden muss. Dass an allem die da oben schuld sind, das System, der Staat, auf jeden Fall die Anderen. Er ist reich, ein Milliardär, aber anders reich als die anderen Reichen. Denn er poltert und schimpft wie ein Rohrspatz, und nicht wie einer aus einer der großen und angesehenen Familien, die nur darauf bedacht sind, sich nicht die Finger schmutzig zu machen. Oder darauf bedacht, sich dabei nicht erwischen zu lassen.

White Trash und die zornigen jungen Männer – die Wähler von Donald Trump

Es gab eine Zeit, in der Industriearbeiter in den USA zur Mittelschicht mit Ehefrau, Kindern, Haus, Kirche und Straßenkreuzer gehörten. Weiße Industriearbeiter, versteht sich. Und es schien ein Gesetz zu sein, dass es deren Kindern besser ging als den Eltern. Nichts, so schien es, konnte den Aufstieg dieser Mittelschicht bremsen.
Diese Zeiten sind vorbei. Die Schwarzen werden immer noch benachteiligt, aber in den Augen der zornigen weißen Männer nehmen sie ihnen die Jobs weg. Und so können diese jungen Männer sich den amerikanischen Traum nicht mehr erfüllen. Zu viele Latinos, zu viele Schwarze, und zu viele gut ausgebildete Frauen – sie alle bedrohen die jungen weißen Männer ohne Studium oder Schulabschluss.

Donald Trump spricht zu seinen Parteikollegen in der South Point Arena in Las Vegas, Nevada,  2016

Donald Trump spricht zu seinen Parteikollegen in der South Point Arena in Las Vegas, Nevada, 2016

White Trash, das sind die Bewohner der Trailer Parks. Aus dem schicken Eigenheim ist ein enger Wohnwagen geworden. Wer hart arbeitet, kann es zu etwas bringen, vom Tellerwäscher zum Millionär. Nein, wer hart arbeitet, kann sich heute gerade einmal über Wasser halten. Viele der zornigen jungen Männer sind dort angekommen, sie, denen eigentlich ein Leben in der Mittelschicht zusteht, bilden den Bodensatz einer Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht.

Der Zorn ist groß

Diese jungen zornigen Männer der Unterschicht bilden die eigentliche Basis des Systems Trump. Ihr Zorn könnte sie in eine sozialistische, kommunistische oder anarchistische Richtung treiben.

Stattdessen richtet er sich gegen den Staat und seine Repräsentanten: das Establishment. Trump ist Milliardär? Kein Problem, er hat sich genommen, was ihm (und uns eigentlich auch) zusteht. Er macht uns nichts vor, er versteckt sich nicht hinter einer angesehenen Familie, er ist hemdsärmlig auch im Maßanzug – er ist einer von uns. Denn er kennt unsere Wut und er spricht sie aus, er schreit sie hinaus, und je lauter er schreit, desto mehr bewundern wir ihn. Weil auch wir so laut schreien, uns aber keiner hört.

 

Trump oder Clinton?

Dennoch wird er gegen Hillary Clinton wahrscheinlich keine Chance haben. Wahrscheinlich, aber? Zu viele Wähler wollen sich abgrenzen von einem, dem die Unterschicht zujubelt und der verspricht, auf nichts und niemanden Rücksicht zu nehmen, wenn er erst mal die Hebel der Macht in der Hand hält. Er erscheint unberechenbar. Hillary Clinton ist nicht beliebt, aber man weiß, was man von ihr zu erwarten hat. Deshalb wird sie wohl die Wahl gewinnen.

"Make America Great Again" Donald Trumps Motto zur US-Wahl 2016

„Make America Great Again“ Donald Trumps Motto zur US-Wahl 2016 (screenshot der facebookseite)

Präsident Trump

Nein, mit Trump als Präsident werden weder die USA noch die Welt untergehen. Sollte er es schaffen, wird sich so mancher die Augen reiben. Die rechte Revolution wird ausbleiben, auch Trump wird sich der Macht des Faktischen beugen müssen, also seiner Partei, und damit genau dem Establishment, gegen das er doch so lautstark angetreten ist. Er wird ruhiger werden, diplomatischer, zahmer. Grau wird er werden, der alte Wolf – vielleicht, wahrscheinlich, hoffentlich. Aber vielleicht bleibt er uns ja auch einfach erspart.

Bikldquelle: bigstock-ID-112043015-by-Ghen

3s Kommentare to “Donald Trump – die republikanische Trompete”

  1. Jon

    Jul 12. 2016

    Trump will be the disaster for the US!

    Reply to this comment

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