Wie Scoringwerte der Schufa den Vertragsabschluss verhindern

Immer wieder kommen Verbraucher in die Situation, dass sie einer Bonitätsabfrage zustimmen müssen. Dabei holen die Anbieter in der Regel eine Schufa-Auskunft ein oder lassen sich von einer anderen Auskunftei eine entsprechende Information geben. Das Problem bei solchen „Scorings“ ist die fragwürdige Datengrundlage. So kommen selbst solvente Menschen schnell in die Situation, einen Kredit, einen Handyvertrag oder eine Warenlieferung nicht zu bekommen. Wie ist das möglich?

Kreditwürdigkeit per Scoring – das steckt dahinter

Die Schufa sowie andere Auskunfteien nutzen Scoringwerte. Diese kann ein Unternehmen abfragen, um die Bonität eines Kunden zu bewerten. Mitunter fließen diese Werte in eine Gesamtbetrachtung oder einen weiteren, inneren Scoringwert beim Unternehmen ein. Manchmal entscheidet der Scoringwert allein, ob ein Kunde ein guter Kunde ist oder er auf Ablehnung stößt.

Basis des Scoringwertes der Auskunfteien sind verschiedene Punkte. Dazu zählt zum Beispiel, ob eine Person verschuldet ist, Rechnungen verspätet oder gar nicht begleicht oder ob gegen diese bereits Mahnverfahren laufen. Das sind alles Punkte, die negativ in das Scoring einfließen. Soweit können normale Verbraucher die Bonitätseinstufung in der Regel noch nachvollziehen. Doch wie kann es dann passieren, dass selbst solvente Personen Probleme durch Schufa-Scorings bekommen können? Der Grund ist so einfach wie überraschend: Es handelt sich beim Scoring zu einem wesentlichen Teil um schlichte Wahrscheinlichkeitsrechnung. Das heißt, die Bonität ist dann besonders schlecht, wenn Personen häufig umgezogen sind, in den falschen Orten wohnen, das falsche Alter haben oder einfach einen „unpassenden“ Namen haben. Denn all diese Punkte werden für alle Bonitätsabfragen berücksichtigt und können unverschuldet – und durchaus unberechtigt – negativ die eigene Kreditwürdigkeit beeinflussen.

Diesen auf wackeligen Füßen stehende Scoringwert fragen Unternehmen ab. Das Resultat fließt maßgeblich in die Entscheidung über ein Kundengeschäft ein. So kann die Bank den Kredit deutlich verteuern oder der Mobilfunkanbieter einen Vertrag verweigern – selbst bei solventen Kunden!

Beispiel: Wohnsitz

Ein Blick auf den Privatverschuldungsindex der Schufa zeigt am Beispiel des Wohnsitzes exemplarisch, wie solche Aspekte in den Scoringwert einfließen. Denn im Privatverschuldungsindex stecken alle relevanten Daten, an die die Schufa gelangt. Dieser Datensatz ist entsprechend ein Spiegelbild der Kreditwürdigkeit der deutschen Bevölkerung. Er zeigt beispielsweise, dass in den Städten Pirmasens, Wilhelmshaven und Bremerhaven sehr viele Menschen mit schlechter Bonität leben. In Orten wie Eichstätt sowie in den Landkreisen Starnberg und München dagegen Bonitätsprobleme selten sind. Daraus leitet die Schufa die Kreditwürdigkeit bei unvollständigen Daten ab. Konkret gesagt: Die Auskunftei spricht einem Menschen, der in Primasens lebt tendenziell eine deutlich schlechtere Bonität zu als demselben Menschen in Eichstätt. Ein echtes „Bad-Neighbourhood-Problem„. Kurz: Die schlechte Nachbarschaft färbt auf die Kreditwürdigkeit ab.

So funktionieren auch andere Faktoren und das bei allen Auskunfteien. Immer dann, wenn keine handfesten Daten verfügbar sind, rechnen Auskunfteien anhand der Wahrscheinlichkeit die Kreditwürdigkeit hoch. Dazu ziehen diese Personen heran, die ähnliche Merkmale haben. Wohnort, Name, Berufe – plötzlich kann trotz eines gut gefüllten Bankkontos alles ein Risiko darstellen.

So polieren Verbraucher ihre Werte auf

Verbraucher sollten daher regelmäßig eine Selbstauskunft einholen. Diese ist im Rahmen der gesetzlichen Regelungen einmal im Jahr kostenlos. Möglich ist das bei der Schufa unter meineschufa.de. Wichtig ist allerdings, die Selbstauskunft auf Basis der „Datenübersicht nach § 34 BDSG“ anzufordern. Nur dann ist diese kostenlos. Weitere Auskunfteien zur Selbstauskunft sind hier aufgelistet.

Enthält die Selbstauskunft Falscheinträge, können Verbraucher diese korrigieren lassen. Es besteht ein Anspruch darauf. Allerdings verhindert das grundsätzlich nicht, dass Risiken hochgerechnet werden. Daher ist es ratsam, die eigene Kreditwürdigkeit im Rahmen der Möglichkeiten aufzupolieren. Rechnungen sollten umgehend bezahlt, Dispokredite nicht genutzt und Kredite pünktlich beglichen werden. Das hilft den wesentlichen Teil des Scorings zu verbessern.

Verträge trotz Schufa-Eintrags: Das sind die Alternativen

Doch das funktioniert leider nicht immer. Es gibt Menschen, die sind bereits in finanziell schwierigen Situationen und möchten dennoch einen Vertrag abschließen. Ob der Handyvertrag, ein Minikredit oder einfach nur eine Online-Bestellung: Diese Menschen haben es schwer. Ein Ausweg aus dieser Misere zeigt das Verbraucherportal trotz-schufa.org auf. Dort finden Betroffene viele sinnvolle Informationen. Besonders schön ist die übersichtliche Darstellung von seriösen Unternehmen, die auf eine Schufa-Auskunft verzichten oder geringe Hürden aufbauen. Das hilft vor allem den Menschen enorm, die eine schlechte Bonität aufweisen. Aber auch für Personen, die aus Ihnen bisher nicht nachvollziehbaren Gründen unter einem schlechten Scoring durch „Bad Neighbourhood“ leiden, finden auf diesem Weg geeignete Anbieter. So ist der nächste Vertrag oder Kleinkredit gesichert.

Keine Kommentare

Einen Kommentar hinterlassen