And the Oscar 2016 goes to …

Alljährlich feiert sich die US-amerikanische (und ein wenig auch die nicht-amerikanische) Filmwelt seit 1938 bei den Oscar-Verleihungen mit einer ebenso pompösen wie für Nominierte und Preisträger prestigeträchtigen Gala in der Filmkommerzmetropole Los Angeles. Die alljährlich zelebrierte Überreichung der offiziell „Academy Awards of Merit“ genannten, weltweit als „Oscars“ berühmten Goldstatuetten basiert auf der Entscheidung der nichtstaatlichen US-Filmförderungsorganisation Academy of Motion Picture Arts and Sciences.

Die Nominierungen (zehn in der Kategorie „Bester Film“, fünf in den anderen Kategorien) sowie die schließlichen Benennungen der Kategorienbesten für ihre Leistungen im jeweiligen Vorjahr stoßen regelmäßig auf globales, fast immer sich finanziell und karrieremäßig positiv auswirkendes Medieninteresse.

Im Mittelpunkt der am 28. Februar 2016 zum 88. Mal gefeierten Oscar-Verleihung stand unter anderem die von manchen Kino-Fans nahezu sehnsüchtig herbeigesehnte und seit zwei Jahrzehnten immer wieder erwartete Preisverleihung an den „ewigen Nominierten“ Leonardo DiCaprio in der Königskategorie als „Bester Hauptdarsteller„. Highlights waren auch der für manche Beobachter überraschende „Bester Film“-Oscar für den Missbrauchsproblematik thematisierenden Streifen „Spotlight“ und der massive Protest gegen die von vielen Kritikern als „rassistisch“ bezeichnete Nichtberücksichtigung von Filmschaffenden dunkler Hautfarbe bei den Nominierungen in den wichtigsten Kategorien.

Schwarz-Weiß-Kritik

Schwarz war allerdings der in der diesjährigen Veranstaltungs-Lokation, dem Dolby Theatre, durch den Abend führende, wegen seiner Respektlosigkeit und Grenzüberschreitungen nicht unumstrittene afroamerikanische Schauspieler Chris Rock. Der auch als Comedian bekannte Rock bespöttelte das Nominierungsverhalten der mehrheitlich aus weißen Männer fortgeschrittenen Alters bestehenden Academy (7000 Mitglieder) mit Verbalspitzen wie „White People’s Choice Awards“ und „Hollywood ist rassistisch wie eine studentische Schwesternschaft“ und erntete, möglicherweise teilweise scheinheiligen, Beifall. Rock sah sich später selbst mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert,
weil er bei seinem Bühnenauftritt das Sterereotyp für Asiaten als unsympathische Streber bedient haben soll.

„Spotlight“, Lady Gaga und Joe Biden

Den wichtigsten Oscar 2016, den Award in der Kategorie „Bester Film 2015“, bekam der von Tom McCarthy inszenierte US-Spielfilm „Spotlight“, der anlehnend an tatsächliche Geschehnisse Anfang der 2000er Jahre den investigativen Kampf eines Bostoner Journalisten-Teams bei der Aufdeckung von Missbrauchsfällen an Kindern im Verantwortungsbereich der römisch-katholischen Kirche nachzeichnet. Zusätzliche Brisanz hatte das Thema durch die aktuelle Diskussion um massenhaften Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der katholischen Kirche in Australien bekommen.

Um Missbrauch ging es auch der Rede von US-Vizepräsident Joe Biden, der gegen die Un-Kultur des Vertuschens von sexuellen Übergriffen Stellung bezog und Missbrauchsopfer Mut machen wollte, an die Öffentlichkeit zu treten. Unterstützt wurde er bei diesem Aufruf durch Lady Gaga, die im Gegensatz zu ihrem sonst häufig krawalligen Poser-Stil mit dem Song „Til it happens to You“ durch Ernsthaftigkeit beeindruckte. Sie wurde bei ihrem Auftritt von etwa dreißig Frauen und Männern, die Opfer sexueller Gewalt geworden waren, auf der Bühne umringt.

Endlich einen Oscar für Leonardo

Leonardo DiCaprio zählt seit „Gilbert Grape“ (1993) und “Titanic“ (1997) zu den ganz Großen in Hollywood. Vier Mal wurde er seit 1994 für einen Darsteller-Oscar nominiert, 2014 zusätzlich als Produzent von „Wolf on Wall Street“, doch stets hatte er seine Dankesrede vergeblich vorbereitet. Mit dem Oscar 2016 als „Bester Hauptdarsteller“ kann DiCaprio jetzt endlich seiner mehr als 60 Auszeichnungen umfassenden Sammlung von Film-Preisen auch einen Academy Award eingliedern. Gewürdigt hat die Academy DiCaprios Interpretation des Trappers „Hugh Glass“, der im Dakota-Gebiet Anfang des 19. Jahrhunderts Rache an dem Mörder seines Sohnes sucht. Hugh Glass ist die Hauptfigur des Films „The Revenant“, der in 12 Oscar-Kategorien nominiert worden war. Außer DiCaprio bekamen Alejandro González Iñárritu (Regie) und
Emmanuel Lubezki (Kamera) für ihre Revenant-Beteiligung Oscars.
Video: Viele haben sich wohl sehr mit „Leo“ gefreut… Es war das Highlight der Oscars 2016!

Sonstige Preisträger

Zu den Preisträgern in den zwanzig übrigen Kategorien zählen Brie Larson („Beste Hauptdarstellerin“) als Entführungsopfer in „The Room“ und Mark Rylance („Bester Nebendarsteller“), der den Sowjet-Agenten „Rudolf Abel“ im Kalter-Krieg-Drama „Bride of Spies“ spielt. Die Schwedin Alice Vikander („Beste Nebendarstellerin“) überzeugte als US-Malerin „Gerda Wegener“ in dem in den 1920er Jahren spielenden Transsexuellen-Film „The Danish Girl“. Den Oscar für die beste Filmmusik bekam Italo-Western-Klanglegende Ennio Morricone für die Musik des ansonsten Oscar-losen Tarantino-Westerns „The Hateful Eight“ und der Brite Sam Smith konnte sich über den „Bester Song“-Oscar
für „Writing´s on the Wall“ (aus „James Bond: The Spectre“) freuen.Deutsche Oscar-Gewinner hat es 2016 leider nicht gegeben.
Bildquelle: bigstock-ID-58744535-by-kathclick

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