Das Jahr der Superhelden

Superhelden sind etwas, mit dem jeder Mensch hierzulande vertraut ist. Jeder von uns ist entweder mit Batman, Superman, dem Hulk oder anderen Heldenfiguren aufgewachsen. Woher der Superheldenkult kommt, ob die Helden gerade ein neues Revival erleben und warum es keine wirklich neuen Heldenfiguren gibt, wird dieser Artikel zu beantworten versuchen.

Wer sind die bekanntesten Superhelden?

Die bekanntesten Superhelden stammen im Allgemeinen aus den USA. Batman und Superman (auch „der Stählerne“ genannt) sind jedermann ein Begriff. Ebenso sind dank jüngerer Verfilmungen Spiderman oder die Spinne, der unglaubliche Hulk, die Avengers mit Iron Man (auch ein Stählerner, aber anders), Captain America etc. allgemein bekannt.Auch die X-Men, d.h. Magneto, Wolverine, Cyclops, Professor X etc. sind durch Hollywoodfilme wieder im allgemeinen Bewusstsein verankert worden. Ebenso erging es der Gruppe der Fantastischen Vier und mythischen Götterfiguren wie Thor, Loki und Odin.Weniger bekannt sind heute Catwoman, The Flash, Green Lantern (oder die Grüne Laterne) oder Klassiker wie The Spirit oder die Justice League of America. Weitere früher sehr bedeutende Namen sind u.a. der Silver Surfer, Hawkman, Plastic Man oder Wonder Woman.

Allen genannten Helden ist gemeinsam, dass sie als Comicfiguren erschaffen worden sind. 1938 wurde der erste Superman-Comic veröffentlicht, dem bald weitere ähnliche Helden folgten. Maßgeblicher Initiator war dabei das Verlagshaus Marvel Comics in den USA. Dieses teilt sich übrigens auch heute noch in Amerika mit dem Konkurrenten DC Comics die Position der Marktführerschaft.

Die übermenschlichen Heldenfiguren erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass dieses Genre seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts immer wieder neu belebt werden konnte.

Erleben Superhelden heute ein Revival?

Insofern kann man nicht wirklich davon sprechen, dass diese Helden heute ein Revival erleben; vielmehr sind diese Heldentypen zu jeder Zeit Spiegel der gesellschaftlichen Einflüsse gewesen.

Waren die Helden in den vierziger Jahren klar in patriotischem Auftrag unterwegs (Stichwort: Superman gegen die Nazis), so verdüsterte sich das Bild in den siebziger Jahren (Drogen, Bürgerrechtsbewegung).

Frank Miller, einem amerikanischen Zeichner, war es zu verdanken, dass Batman als Figur eines innerlich zerrissenen, von Ängsten geplagten Helden in den achtziger Jahren Triumphe feiern durfte. Das „Revival“, welches mancher daher heute sehen will, ist im Grunde keines, sondern lediglich das alte Bedürfnis der Menschheit nach Heldengeschichten, welches von Hollywood bedient wird (in welcher Qualität ist eine andere Frage).

Da die Helden Kinder ihrer Zeit sind, sind sie wie erwähnt auch Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. So hat es nach 2000 die ersten homosexuellen Superhelden gegeben und interessanterweise ist das Thema „Familie“ oder „Gemeinschaft“ in den neuen Hollywoodverfilmungen stark in den Vordergrund gerückt.

Bedrohungen nehmen mittlerweile oft kosmische Ausmaße an bzw. bedroht ein externer Bösewicht die Erde und muss besiegt werden. Es wird spannend sein, zu beobachten, was die nächsten Jahre an Themen aufgegriffen wird (Batman als Transgender-Figur? Superman gegen den Klimawandel?).

Woher kommt der Superheldenkult?

Wie bereits angedeutet, ist das Bedürfnis nach Heldengeschichten so alt wie die Menschheit. Heldensagen finden sich zu allen Zeiten und ebenso lassen sich Göttergeschichten, in denen die Götter mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet Abenteuer bestehen müssen, in allen Kulturen nachverfolgen.Menschen sehnen sich nach Helden und nach Menschen mit übernatürlichen Kräften. War früher diese Sehnsucht auch ein Glaube (Hexen, Magier), so ist es heute nur noch eine Sehnsucht. Den Comicfiguren des Amerika der dreißiger Jahre gingen viele Erzählungen voraus, in denen Helden übermenschlich stark sind.Der Siegfried der Nibelungen Saga ist ein Beispiel für solche Helden wie ebenso manche Figuren aus dem finnischen Kalevala-Epos, persische Geschichten um Zoroasther, germanische Göttersagen oder die griechischen Erzählungen um Herakles etc. Menschen scheinen sich zu allen Zeiten Figuren zu ersehnen, die über die Gesetze der Welt (Schwerkraft etc.) hinaus agieren können.

Immer können diese Helden Dinge, die Normalsterblichen nicht möglich sind: Sie erzeugen Stürme, triumphieren über riesenhafte Ungeheuer, trotzen den Elementen, vermögen zu fliegen, enorme Distanzen zu überwinden, die glänzendsten Heldentaten zu vollbringen etc. Anscheinend haben alle Kulturen und alle Zeiten solche Sehnsüchte hervorgebracht.

Es ist also davon auszugehen, dass Superhelden auch weiterhin Konjunktur haben werden, denn sie bedienen ein Bedürfnis, dass trotz Säkularisierung, Vernunft und Aufklärung immer da sein wird: Die Sehnsucht, sich über die Gesetze der Erde zu erheben und Großes zu vollbringen!

Warum gibt es keine neuen Superhelden?

Die interessante Frage, weshalb es keine neuen Superhelden gibt, kann hier nur vermutend beantwortet werden. Zwar hat man wie erwähnt in jüngster Zeit zum Beispiel homosexuelle Superhelden erfunden (Northstar etc.) und ebenso haben die Manga-Comics aus Japan neue Figuren zur Szene beigesteuert. Doch grundlegend neue Helden hat man seit einiger Zeit nicht mehr erfunden bzw. einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.Dies mag zum Einen daran liegen, dass man einen reichhaltigen Fundus hat, aus dem man sich bedienen kann. Die Comic-Verfilmungen der letzten 20 Jahre zeigen deutlich, dass sich Hollywood am liebsten bewährter Figuren bedient. Es ist natürlich leichter (und risikoloser) wenn man auf eine Figur mit einer Vorgeschichte und einem gewissen Bekanntheitsgrad zurückgreifen kann.

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Möglich ist auch, dass in Zeiten einer zunehmenden Parzellierung der Gesellschaft in Gruppen und Segmente eine übergreifende Figur schwerer zu erschaffen ist. Bzw. gilt möglicherweise umgekehrt, dass Figuren für eine bestimmte Gruppe (ein homosexueller oder ein Gender-Superheld) schwieriger der breiten Öffentlichkeit zu vermitteln sind.

Schlussendlich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beurteilt werden, ob und wann wirklich neue Heldenfiguren geschaffen werden können. Dass allerdings das Genre der Helden weiterbestehen wird, gilt aus ausgemacht: Denn solange es Menschen gibt, werden diese sich nach Helden und nach Heldengeschichten sehnen.

Was nebenbei sicherlich besser ist, als sich nach Bösewichten und bösen Geschichten zu sehnen.

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