Der US-Wahlkampf der Superlative

Amerika liegt weit entfernt. Ein Ozean trennt uns, die Sprache trennt uns und viele kulturelle Gepflogenheiten sind grundverschieden. Dennoch hat wohl kein anderes Land in der Welt einen dermaßen gewaltigen Einfluss auf unser Leben. Die United States of America sind mit ihren Kulturprodukten (z.B. Kinofilmen), ihren Technologie-Trends und natürlich auch mit den politischen Entscheidungen, die die von den Amerikanern gewählte Regierung trifft, noch immer richtungsweisend für die Weltpolitik. Aus diesem Grund ist wohl kein Ringen um die Regierungsgewalt eines anderen Landes für Deutschland und die gesamte Welt so spannend und bedeutsam wie der US-Wahlkampf.

Der Vorwahlkampf: Ein erster Schritt auf einem langen Weg

Anders als in Deutschland bestimmen die beiden großen Volksparteien, die Demokraten und die Republikaner, nicht einfach die Kandidatin bzw. den Kandidaten mit der aus ihrer Sicht größten Erfolgschance in internen Absprachen und Abstimmungen. Stattdessen durchlaufen die aussichtsreichsten Anwärter einer Partei zuerst den Vorwahlkampf, in dessen Phase wir uns momentan befinden. Der Vorwahlkampf funktioniert weitestgehend wie der spätere Wahlkampf zwischen den Parteien: Die Kandidaten halten Reden, liefern sich nationalweit ausgestrahlte TV-Debatten und tingeln durch die einzelnen Staaten der USA, um in den direkten Kontakt mit den Wählern zu treten. In den einzelnen Bundesstaaten läuft die Abstimmung unterschiedlich ab: In Primary-Staaten erfolgt eine offene (auch Republikaner können einen Demokraten wählen und umgekehrt) oder geschlossene (Teilnahme nur durch Registrierung in der Partei) Wahl. Die Caucus-Staaten, dazu zählt z.B. auch Iowa, wählen in einem kommunalen Wählertreffen, bei welchem durch Handzeichen oder das Hochhalten von Schildern für den gewünschten Kandidaten gestimmt wird. Logischerweise ist das Caucus-Verfahren nicht geheim, da sich die Wähler offen zu ihrer Entscheidung bekennen müssen.

Erste Ergebnisse lassen hoffen…

Die Aufgabe im Vorwahlkampf ist nicht, sich gegenüber der Konkurrenz im jeweils anderen politischen Lager durchzusetzen, sondern sich gegen die parteiinterne Konkurrenz zu profilieren. Wie alle großen Volksparteien sind auch die Republikaner und die Demokraten keine homogene Einheit, sondern in verschiedene Lager mit teilweise stark differierenden Ansichten über die politische Zukunft gespalten. Bei den amerikanischen Konservativen dominiert medial gesehen aktuell natürlich der Immobilien-Mogul Donald Trump mit seinen radikal-konservativen Aussagen die öffentliche Wahrnehmung. In der ersten Wahl im ländlich geprägten Iowa entschieden sich die Wähler jedoch mit 27,6 % mehrheitlich für den Texaner Rafael Edward „Ted“ Cruz. Ziel des ganzen Vorwahl-Prozesses ist natürlich, das Bewerberfeld immer weiter auszudünnen, bis die finale Kandidatin oder der finale Kandidat schließlich auf dem Parteitag verkündet wird. So zogen sich die Republikaner Randal „Rand“ Paul und Richard „Rick“ Santorum direkt nach ihrem schlechten Abschneiden in Iowa aus dem US-Wahlkampf zurück.

Da es – anders als in Deutschland – für einen amerikanischen Präsidenten keine dritte Amtszeit geben darf, sind auch die Demokraten auf der Suche nach dem geeignetsten Kandidaten bzw. Kandidatin. Mit Hillary Clinton könnte auf den ersten schwarzen Präsidenten die erste Präsidentin in der Geschichte der USA folgen, doch die skandalgeschwängerte Amtszeit ihres Mannes und die Nähe zu den Geldeliten lassen sie für viele der linksorientierten Demokraten als eher ungeeignet erscheinen, was sich auch am Wahlergebnis in Iowa ablesen ließ, denn dort konnte der stark sozialistisch ausgerichtete Außenseiter Bernard „Bernie“ Sanders mit der einst als glasklare Favoritin gehandelten Clinton fast gleichziehen. Obwohl sie formal gesehen gewann, richtete sich die Aufmerksamkeit der Medien auf Sanders, der inzwischen als aussichtsreichster Kandidat im US-Wahlkampf wahrgenommen wird. Die nun anstehende Vorwahl in New Hampshire wird zeigen, inwieweit sich die Ergebnisse von Iowa als stabil erweisen.

Zwischen Schlammschlacht und Rockkonzert: Der Kampf um die Aufmerksamkeit

Wer in den USA gehört werden will, der braucht zwei Dinge: Viel Geld und eine perfekt designte Inszenierung. Im Vor- wie im Haupt US-Wahlkampf geht es nicht zimperlich zu. Nur wer überhaupt Millionen oder gar Milliarden für Sticker, Plakate und vor allem Werbespots aus eigener Tasche und Spenden generieren kann, hat überhaupt eine Chance, als möglicher Kandidat in Betracht zu kommen. Sind die Fernsehspots der großen Parteien in Deutschland meist darauf ausgerichtet, Vertrauen zu schaffen und die Relevanz der eigenen Ideen zu kommunizieren, sind in den USA persönliche Angriffe auf die Konkurrenz keine Seltenheit. Problematisch für den Erhalt der politischen Unabhängigkeit der Kandidaten ist die fehlende staatliche Regulierung der Parteienfinanzierung. Der immer teurer werdende Wahlkampf, nach Schätzungen kostete der Kampf um das Weiße Haus zwischen Obama und Romney im Jahre 2012 ca. sechs Milliarden Dollar, kann zwangsläufig nur mit der Hilfe reicher Unternehmen und Privatpersonen finanziert werden, die nicht einfach selbstlos Millionen an die Parteien geben, sondern sich Einfluss auf die zukünftige Regierung davon versprechen.

Kopf an Kopf: Nach den Vorwahlen beginnt der eigentliche US-Wahlkampf

Haben die Parteien schließlich ihre Präsidentschaftskandidaten gefunden, geht es in die heiße Phase im  US-Wahlkampf. In einem Wahlkampf-Marathon bereisen die Kandidaten jeden Winkel der USA, halten Reden und liefern sich TV-Debatten. Am Wahltag können alle US-Bürger, die sich für die Wahl haben registrieren lassen (ausgenommen sind Häftlinge und illegale Einwanderer), ihre Stimme abgeben. Mit dieser Stimme wählen sie jedoch nicht direkt einen der Kandidaten. Die Mehrheit der Stimmen in einem Bundesstaat bestimmt (mit zwei Ausnahmen in Maine und Nebraska) lediglich, welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates vier Wochen nach der Abstimmung zum Präsidenten machen. Da die Staaten aufgrund ihrer unterschiedlichen Größe unterschiedlich viele Wahlmänner zur Verfügung haben, sind die einzelnen Bundesstaaten letztendlich auch unterschiedlich relevant für die Zusammensetzung des Wahlmännergremiums. Am Ende dieses Prozesses, also vier Wochen nach der eigentlichen Wahl durch die US-Bürger, steht endgültig fest, welche Frau oder welcher Mann das wichtigste Amt der Weltpolitik bekleiden wird.

 

Bildquelle: bigstock-ID-112043015-by-Ghen

Trackbacks/Pingbacks

  1. Donald Trump - die republikanische Trompete • Allgemein • org.de - 5. April 2016

    […] Gespenst geht um in den USA: Donald Trump. Keiner hat ihn kommen sehen, fast alle haben ihm keinerlei Chancen eingeräumt und waren sich […]

  2. US-Wahl 2016: der Endspurt • Allgemein • org.de - 2. November 2016

    […] Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika finden statt. Bereits seit Monaten wird über den intensiv geführten Vorkampf und Wahlkampf berichtet, der inzwischen auch einen großen Einfluss auf die Politik in Europa haben […]

Einen Kommentar hinterlassen