Streaming oder Onlinekauf: Musikmarkt heute

Streaming oder Onlinekauf? Spätestens seit Anfang des neuen Jahrtausends begann innerhalb der Musikbranche im Bereich der Verbreitung und Bereitstellung eine epochaler Wandel. Zuvor gab es in den 100 Jahren zuvor im Wesentlichen zwei teils konkurrierende, teils sich ergänzende Verbreitungswege: zum einen die flüchtige Emission über Radio, zum anderen der Verkauf auf Tonträgern – zuerst Platten, später Kassetten und CDs.
Auch heute, im Zeitalter des Internets, das mittlerweile auch den Versand von hochwertigsten Audiodateien in Echtzeit ermöglicht, stehen sich mit Streaming und Onlinekauf zwei neue Modelle gegenüber, wobei das Modell Radio, konventionell und als Webradio nach wie seine Berechtigung hat. Beide Modelle kann man als Weiterentwicklung der oben genannten Vertriebswege bezeichnen, dennoch haben sich grundlegende Parameter geändert.

ONLINEKAUF

Die Möglichkeit, Musikdateien online zu erwerben, war notwendige Antwort der Musikbranche auf die zahlreichen illegalen Musiktauschbörsen, die sich im Internet nach Erfindung der mp3 bildeten und ökonomisch die Musikindustrie gefährdete. Erst Stück für Stück wurde diese Möglichkeit, auf iTunes, amazon oder ähnlichen Plattformen, legal Musik zu erwerben von den Verbrauchern angenommen, führte dann aber doch mittelfristig zu einem rasanten Verdrängungswettbewerb mit dem bis daher vorherrschenden Tonträger, der CD. Analogien sind auch auf dem Filmmarkt zu beobachten. Im Bereich der größten Onlineshops für Musik ist iTunes nach wie vor mit weitem Abstand Marktführer, weitere Anbieter sind AmazonMp3, Media Markt, Musicload und Napster; dort gibt es Alben in etwa zum Ladenpreis einer CD zu kaufen, zu nehmend setzen die Unternehmen aber auch auf den Erwerb von Einzeltitel, was ihnen einen zusätzlichen Vorteil gegenüber dem offline-Verkauf verschafft.

STREAMING

Etwa zehn Jahre nach der Einführung der ersten Onlineportale entwickelten sich die Streamingdienste, d.h. die Möglichkeit für den Verbraucher, jederzeit auf die gesamte vorrätige Musik eines Anbieters zurückgreifen zu können. Dabei wird nicht pro Titel abgerechnet, sondern über eine Gebühr, die meist monatlich erhoben wird. Daneben gibt es auch Angebote, die werbefinanziert sind. In diesem Bereich sind Napster und Spotify die Branchengiganten, daneben existieren ähnliche Angebote von Deezer, Amazon Prime Music, Rdio, SoundCloud, Apple Music, Xbox Music oder Google Play Music.

STREAMING ODER ONLINEKAUF?

Wenn es um die Zukunft der beiden konkurrierenden Systeme geht, so stehen zwei Fragen im Vordergrund. Zum einen die Frage, welches Modell lässt auch nachhaltig genug Geld in die Branche fließen, um alle Beteiligten, vom Komponisten und Texter über die Interpreten bis hin zu den Musikproduzenten auch weiterhin neue, hochwertige Musik produzieren zu lassen. So lange es noch einen einigermaßen funktionierenden CD-Markt gibt, ist diese Flatrate für die Musikbetreibende eine durchaus interessante Sache, ermöglicht sie doch einen sehr einfachen Erstkontakt mit ihrem Produkt. Aber nach allen Prognosen wird sich der Tonträgermarkt weiter reduzieren – schon heute verdienen die meisten Musiker ihr Geld bei Liveauftritten. Dann müssten die Künstler allerdings in viel größerem Ausmaß an den Einnahmen der Konzerne beteiligt werden und der sogenannte Plattenmarkt wird sich komplett umstrukturieren müssen, da ja weite Teile der Herstellung und des konventionellen Vertriebs entfallen werden. Auch die Charts werden schon lange nicht mehr ausschließlich über den pysischen Verkauf bestimmt, wie das früher der Fall war.
Die andere Frage ist die, welches Modell aus Sicht der Verbraucher langfristig attraktiver ist. Im Wesentlichen dürfte es für den Verbraucher darum gehen, seine Musik, in der von ihm gewünschten Qualität ständig verfügbar zu haben; diesen Wunsch werden Streaming-Dienste mittelfristig wohl umfangreich erfüllen können. Dagegen steht der Wunsch, auch einen materiellen Gegenwert für seine Ausgaben in Händen zu halten, z.B. eine Erinnerung an einen persönlichen Moment zu behalten. Dieser Wunsch, der sicher nie ganz verschwinden wird, wird aber wohl nicht im Vordergrund stehen, vor allem dann, wenn er mit einem überproportionalem finanziellen Aufwand verbunden ist. Schon heute ist zu beobachten, dass insbesondere Sammler wieder zu wertvollen Vinyl-Platten greifen, die im Gegensatz zu den relativ kurzlebigen CDs, eine bleibende Investition darstellen. Damit werden auch Onlinekäufe nicht konkurrieren können.

ZUKUNFT DES STREAMING

Abschließend ist zu sagen, dass vieles vom Verhältnis der marktbeherrschenden Unternehmen zur Musikbranche abhängt. Finden sie ein langfristiges tragbares Modell, wie der oben beschriebene Finanzbedarf durch Rückfluss über Tantiemen vollzogen werden kann, werden die Vorteile des Streaming wohl überwiegen. Bei einer negativen Entwicklung wäre es aber ebenso denkbar, dass die Musikindustrie in größerem Stil ihre Musik aus den Streamingdiensten zurückzieht und der Verbraucher wieder auf den Einzelkauf zurückgreifen muss. Eng verknüpft damit ist auch die Frage, wieviel der Verbraucher zukünftig bereit, in die Wertigkeit von Musik zu investieren, um langfristig deren Qualität zu ermöglichen und in wieweit die Marktführer dies zulassen werden.
Bildquelle: bigstock-ID-100737587-by-duallogic

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  1. Kunst 2.0 - Kunst zwischen Web und Technik • Allgemein, Kultur, Sonstiges, WWW • org.de - 25. März 2016

    […] Buchhandels besonders deutlich beobachten lässt, gilt ebenso für viele andere Bereiche: Auch die Musikbranche hat sich bekanntlich durch die weltweite digitale Vernetzung grundlegend verändert und natürlich […]

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