CE-Kennzeichnung und Maschinensicherheit – Auf welche Zertifikate sollte man achten?

Maschinen, ob nun zum gewerblichen oder privaten Gebrauch, sind ein wichtiger Bestandteil der heutigen Gesellschaft und bilden die Grundlage zur Herstellung und Bewahrung der allgemeinen Infrastruktur. Kurz gesagt, ohne Maschinen geht es nicht. Aber Maschinen sind auch gefährlich. Sowohl pneumatische und hydraulische Antriebe genauso wie Elektro- oder Verbrennungsmotoren entwickeln je nach Größe und Art enorme Kräfte, die bei unsachgemäßer Handhabung, Installation oder auch Ausführung in der Herstellung zu Gefährdungen von Personen führen können.

Maschinensicherheit in der Historie

Obwohl die industrielle Revolution schon im 19. Jahrhundert begann und sich langsam immer mehr Maschinen und Geräte in Unternehmen und auch in Haushalten fanden, war die Sicherheit dieser Geräte eher zweitrangig. In Deutschland wurde erst im Jahr 1968 das Gerätesicherheitsgesetz verabschiedet. Dem folgte im Jahr 1997 das Produktsicherheitsgesetz und das bis heute gültige Geräte- und Produktsicherheitsgesetz aus dem Jahr 2004, das im Jahr 2011 eine Neufassung erfuhr. Das heutige Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) fußt auf der Richtlinie 2001/95/EG zur allgemeinen Produktsicherheit, die als Europäische Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wurde.

Im Gegensatz zu seinen Vorläufern beinhaltet das GPSG auch Sanktionen bei Verstößen, bei denen Geldstrafen in Höhe von bis zu 30.000€ verhängt werden können oder sogar Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr.

Was bedeutet Maschinensicherheit im Gesetz?

Aus dem GPSG wird in der neunten Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz wiederum die europäische Maschinenrichtlinie 2006/42/EG in nationales Recht umgesetzt. Die Maschinenverordnung im Produktsicherheitsgesetz umfasst 9 Paragraphen, in denen verschiedene Inhalte wie die CE-Kennzeichnung, § 5, Ordnungswidrigkeiten, § 8, Begriffsbestimmungen, § 2, oder die Marktüberwachung, § 7) geregelt sind.

Was ist die CE-Kennzeichnung in der Maschinenrichtlinie?

Technisch gesehen ist die CE-Kennzeichnung eine übergeordnete Kenntlichmachung bestimmter Mindest-Vorgaben, zu deren Einhaltung sich der Hersteller von Maschinen verpflichtet, wenn er Maschinen oder Geräte in den europäischen Wirtschaftsraum einführen, in Betrieb nehmen und / oder in den Handel bringen möchte. Aus diesem Grund ist das CE-Zeichen auch kein Prüfzeichen im eigentlichen Sinne, sondern ein Verwaltungszeichen. Auch die Buchstabenkombination CE, die früher übersetzt „Europäische Gemeinschaft“ bedeutete, ist heute aus Konformitätsgründen nur noch ein grafisches Symbol.
Die CE-Kennzeichnung ist sowohl auf den Maschinen selbst anzubringen wie auch auf sicherheitsrelevanten Anbauteilen. Die Anbringung muss in unmittelbarer Nähe zur gleichfalls notwendigen Angabe des Namens und der Anschrift des Maschinenherstellers erfolgen und darf nicht kleiner als 5 mm sein.
EC-Kennzeichnungen können bei Partnerunternehmen wie zum Beispiel hier in Auftrag gegeben werden: https://www.pilz.com/de-DE/services/consulting-and-engineering/ce-marking.

Was sind Zertifikate in Bezug auf Maschinensicherheit?

Während die CE-Kennzeichnung ein Verwaltungszeichen ist, bestehen zusätzlich eine ganze Reihe weiterer Prüfzeichen, die die Zertifizierung einer Maschine in Bezug auf deren Sicherheit durch einen Sachverständigen symbolisieren. Diese Prüfzeichen können, müssen aber im Gegensatz zur CE-Kennzeichnung nicht auf der Maschine angebracht werden.

Mitunter nutzen Hersteller die mit dem Prüfzeichen verbundenen Untersuchungen der Sachverständigen, um das ebenfalls notwendige Konformitätsbewertungsverfahren, § 4 der Maschinenverordnung, durchzuführen.
Ein bekanntes Beispiel für ein Zertifikat ist das Prüfzeichen GS, das für „geprüfte Sicherheit“ steht. Die Prüfung ist eine sogenannte Baumusterprüfung an einer staatlich zugelassenen Prüfstelle und beinhaltet wie die CE-Kennzeichnung alle Vorgaben der Maschinenverordnung. Es ist im Übrigen das einzige noch in Deutschland vorhandene Prüfzeichen zur Produktsicherheit, das auf gesetzlichen Regelungen basiert. Es kann und darf jedoch nicht die Europaweit gültige CE-Kennzeichnung ersetzen. Bezüglich der Anforderungen sind beide inhaltlich gesehen gleich. Heute wird das GS-Prüfzeichen von den Herstellern gerne zusätzlich angebracht, um das Vertrauen gerade deutscher Käufer in ihr Produkt zu stärken. Ähnlich verhält es sich mit weiteren Prüfzeichen wie etwa TÜV oder VDE.

Welche Standards gibt es in der Maschinensicherheit?

Hinter der schlicht wirkenden CE-Kennzeichnung stehen eine Vielzahl von Anforderungen, die sich aus Normen, Verordnungen und Richtlinien zusammensetzen. Immerhin ist die CE Kennzeichnung für den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum gültig, also für eine ganze Reihe verschiedener Länder. Es muss folglich neben der Europäischen Gesetzgebung zur Produktsicherheit auch die jeweilige nationale Gesetzeslage beachtet werden, wobei es das Bestreben der EU ist, eine Harmonisierung aller Länder untereinander zu erreichen. Wer also eine Maschine in die EU einführen oder eine Maschine in den europäischen Handel bringen möchte, muss sich zuerst einmal mit den EN-Normen und den Richtlinien befassen, der die jeweilige Maschine unterliegt. Schon das ist keine ganz einfache Aufgabe und erfordert oft genug Expertenwissen. Jeder Hersteller muss sich dabei im Klaren sein, das im Schadensfall aufgrund Nichteinhaltung einer Norm die Beweislast immer bei Ihm liegt.

Der zweite große Bereich zur erfolgreichen CE-Kennzeichnung ist die gleichfalls notwendige Risikobeurteilung, die ein Bestandteil der Konformitätsbewertung ist. Diese Risikobewertung unterteilt sich in drei Prioritätsstufen und basiert auf den Normen EN ISO 12100 und EN ISO 13849-1.
Durch diese Risikobewertung oder Risikobeurteilung wird das Gefährdungspotenzial der Maschine ermittelt, auf deren Grundlage wiederum Schutzmaßnahmen durchzuführen sind. Je nach Art und Umfang der Maschine kann dies über die eigentliche Maschine hinausgehen, wenn etwa bei Inbetriebnahme der Arbeitsschutz im jeweiligen Unternehmen dadurch betroffen ist. In der Regel unterteilt sich die Risikobewertung zuerst in Gefährdungsgruppen wie mechanische Gefährdungen oder elektrische Gefährdungen. Davon ausgehend werden weitere Unterteilungen vorgenommen wie die Art der möglichen Gefährdungen und der Gefährdungsbereich und letztlich die geeigneten Schutzmaßnahmen. Restrisiken wiederum müssen in der Betriebsanleitung vermerkt sein.

Die CE-Kennzeichnung zur Maschinensicherheit beinhaltet auch eine technische Dokumentation aller Bestandteile und Funktionsweisen einer Maschine und dies in der Sprache des oder der Zielländer. Während die meisten Menschen dies bei Haushaltsgeräten in den mehrsprachigen Bedienungsanleitungen finden, kann eine Maschinen-Dokumentation ein sehr umfangreiches Werk werden, dessen Lesbarkeit gleichermaßen gewährleistet sein muss.

Die CE-Kennzeichnung ist gerade in Bezug auf Maschinen also keineswegs einfach nur ein Aufkleber, der keine Aussage besitzt. Es ist vielmehr ein Zeichen, hinter dem ein enorm großer bürokratischer und technischer Aufwand steht, der aber das Ziel besitzt, die Gefährdung von Menschen durch Maschinen auf das mögliche Minimum zu reduzieren.

Bildquelle: www.pilz.com

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