Fracking – Umstrittenes Verfahren zur Energiegewinnung

Der Begriff „Fracking“ leitet sich vom englischen „Hydraulic Fracturing“ ab und beschreibt ein technisches Verfahren zur Förderung von Erdöl und Erdgas. In der Regel bestehen diese Lagerstätten aus Tongestein, weshalb das mit dieser Methode gewonnene Gas auch als Schiefergas bezeichnet wird.

Das Fracking

Im Zuge des Hydraulic Fracturing werden in tiefen und undurchlässigen Gesteinsschichten, aus denen die Energieträger nicht auf herkömmliche Wiese gefördert werden können, künstliche Risse geschaffen. Diese Frakturen entstehen dadurch, dass ein Flüssigkeitsgemisch aus Wasser, Stützmitteln wie Quarzsand oder winzigen Keramikpartikeln sowie chemischen Zusätzen mit hohem Druck innerhalb kürzester Zeit ins Gestein gepresst wird. Abhängig von der geologischen Beschaffenheit der Lagerstätte werden diesem „Fracfluid“ unterschiedliche chemische Substanzen beigefügt. Der Sand im Wasser verhindert, dass sich die Risse im Gestein nach der Behandlung wieder schließen. Durch die Öffnungen kann das Erdgas oder Erdöl ungehindert zu den Bohrlöchern strömen und herausgesaugt werden. Bestimmte chemische Zusätze im Fracfluid, sogenannte Biozide tragen wesentlich dazu bei, dass durch die Risse keine Bakterien und andere Keime ins Innere der Lagerstätten dringen können, die den Förderprozess negativ beeinträchtigen. Nach Abschluss der Anwendung wird der Großteil des eingepressten Flüssigkeitsgemischs zwar zurückgefördert und anschließend entsorgt, Teile des Wassers verbleiben jedoch im Gestein und halten die Risse für die nächste Förderung offen.

Geschichte des Fracking

Dieses Verfahren wurde erstmals in den späten Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten angewandt, um Schiefergas zu gewinnen und dadurch eine Alternative zur herkömmlichen Förderung der Lagerstätten zu erhalten. Seit der Jahrtausendwende kommt Fracking in den USA im großen Stil zu Anwendung, was vor allem in Nordamerika zu einem echten Gasboom führte. Das dadurch entstandene Überangebot an Energieressourcen zog einen erheblichen Preisverfall von Gas und Öl nach sich. Daher wird seit einigen Jahren über die Wirtschaftlichkeit des Frackings intensiv diskutiert. Die Regierungen einiger US-amerikanischer Bundesstaaten haben diese umstrittene Fördermethode bereits verboten. In weiten Teilen der Vereinigten Staaten sowie Kanada und einigen Ländern Südamerikas wird Fracking nach wie vor intensiv betrieben. Auch Südafrika, China, Australien und Neuseeland zählen zu den Ländern, in denen trotz wiederholter Proteste von Naturschützern und Bürgern hohe Mengen an Schiefergas per Fracking gewonnen werden. In Europa ist Fracking ebenfalls Gegenstand hitziger politischer und gesellschaftlicher Debatten, die in einigen Ländern wegen heftiger Widerstände der Bürger zu Verboten führten. In der EU existiert keine einheitliche Haltung zum Thema Fracking, weshalb die Verantwortung bei den einzelnen Mitgliedsstaaten liegt. Während Polen plant, die Förderung von Schiefergas in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu intensivieren, wurden den Energiekonzernen in Frankreich im Jahr 2013 alle Fracking-Lizenzen entzogen. Einige französische Unternehmen sind dafür auf britischem Boden, insbesondere in den Gasfeldern der Nordsee aktiv. Allerdings führten politische Kontroversen und Bürgerinitiativen auch in Großbritannien mittlerweile dazu, dass Verbote verhängt wurden, die bis zu sechzig Prozent der Förderflächen, darunter viele Naturschutzgebiete im Inneren des Landes betreffen. In Österreich und der Schweiz werden geplante Pilotprojekte zur Erschließung möglicher Territorien sowie Probebohrungen seit Jahren durch Bürgerproteste verhindert. In den Ländern, in denen Fracking gesetzlich verboten ist, wächst jedoch der Druck der Energiekonzerne auf die Regierungen.

Fracking in Deutschland

Die Methode, Gestein durch Flüssigkeit zu sprengen und darin enthaltene Materialien zu gewinnen, wird in Deutschland seit dem Jahr 1961 genutzt. Auch die Schiefergasgewinnung ist in Deutschland nicht gesetzlich untersagt, obwohl in der Vergangenheit wiederholt Anträge auf Verbote gestellt wurden. Bis heute ist es in Deutschland allerdings nie zur Förderung von Schiefergas gekommen, obwohl im Jahr 2008 von ExxonMobil, einem der führenden Konzerne auf diesem Gebiet, Fracking-Tests durchgeführt wurden und laut Schätzungen über zehn Prozent der landesweiten Reserven durch Fracking gewonnen werden könnten. Dies ist vor allem auf die heftigen Widerstände der lokalen Bevölkerung zurückzuführen. Bis heute dient dieses Verfahren in Deutschland ausschließlich der Gewinnung von Trinkwasser und der Verbesserung von Bohrungen. Zu Beginn des Jahres 2013 einigten sich die zuständigen Bundesregierungsmitglieder auf einen Gesetzesentwurf, der die Gewinnung von Schiefergas grundsätzlich ermöglicht, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen und Auflagen. In Wasserschutz- und Trinkwassergebieten ist Fracking seither grundsätzlich untersagt. Sind anderswo Aktivitäten geplant, müssen diese einer verpflichtenden Unverträglichkeitsprüfung unterzogen werden.

Kritik an der Förderung von Schiefergas

Den Fracking-Boom in Nordamerika, der zu einem Extremkurs der Gas- und Ölpreise führte, nahmen viele US-Ökonomen als Anlass, diese Fördermethode erstmals in ihrer Geschichte kritisch zu betrachten und ihre Unwirtschaftlichkeit zu betonen. Abgesehen davon ist Fracking jedoch auf internationaler Ebene vor allem wegen der verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen Gegenstand heftigster Kontroversen politischer und gesellschaftlicher Natur. Die Aspekte, die das Fracking weltweit in Verruf brachten, sind vor allem:

 

  • Die Biozide im Fracfluid
  • Verunreinigung des Grundwassers
  • Verunreinigungen der Natur durch Bohrunfälle
  • Entweichen des freigelegten Gases und die Folgen für den Treibhauseffekt
  • Risse im Boden, die zu Erbeben führen
  • Das Fehlen eines umfassenden Entsorgungskonzepts
  • Lärm- und Verkehrsbelästigung der lokalen Bevölkerung
  • Zerstörung von Naturlandschaften durch die Bohrstationen

 

Fracking wird immer gegen den Willen der Menschen durchgeführt, die in der Nähe der Bohrstationen leben. Nicht nur die unberührte Natur wird durch die Errichtung der für das Verfahren benötigten technischen Anlagen zerstört, auch die Anrainer werden durch den Lärm belästigt. Die Materialien, die zur Gewinnung benötigt werden, müssen wie das geförderte Gas zum Bohrturm und von der Anlage weg transportiert werden, wodurch ein intensiver LKW-Verkehr entsteht. Eine deutliche Minderung der Lebensqualität und ein Wertverlust der Immobilien sind für die Bürger deutlich spürbare Folgen des Frackings. Ernsthafte Sorgen bereiten den Gegnern vor allem die vielen toxischen Substanzen, die im Fracfluid enthalten sind. Die Chemikalien und Biozide verbleiben nach der Förderung teilweise im Gestein, sinken mit der Zeit ab und kontaminieren das Grundwasser. Diese krebserregenden Substanzen wurden in den USA vielerorts bereits im Trinkwasser nachgewiesen, gelangen über landwirtschaftliche Nutzung in Nahrungs- und Futtermittel und stellen ein erhebliches gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier dar. Darüber hinaus ist mit dem Fracking auch eine weitere Gefahr verbunden, die vor allem die lokale Bevölkerung betrifft. Durch das Einpressen des toxischen Fracfluids unter hohem Druck entsteht eine Überspannung im Gestein, die zu Erdbeben führen kann. In den USA und Großbritannien wurde in Gegenden, in denen Schiefergas gewonnen wird, bereits ein erheblicher Anstieg von Beben beobachtet. Problematisch ist hierbei neben dem Gefahrenpotential für die Bevölkerung auch die Tatsache, dass Menschen, deren Besitz zerstört wird, beweisen müssen, dass die Ursache im Fracking liegt. Diese Regelung führte in vielen Ländern dazu, dass Rechtschutzversicherungen Gerichtskosten bei Klagen gegen Fracking-Konzerne vorsorglich nicht tragen wollen. Damit sind nicht nur die Lebensqualität und Gesundheit der Bürger durch diese Fördermethode ernsthaft in Gefahr, sondern auch ihre Existenzgrundlage.

Argumente, die für die Gewinnung von Schiefergas sprechen

Trotz aller Sorgen der Umweltschützer und Bürger ist diese Methode der Energiegewinnung auch mit einigen Aspekten verbunden, die durchaus für sie sprechen. Die Weltbevölkerung nimmt ständig zu, während die Energiequellen langsam versiegen. In diesem Zusammenhang muss auch Gegnern dieses Verfahrens klar sein, dass die Erdgasproduktion ohne Fracking deutlich abnehmen würde. Ein nicht zu leugnender Vorteil der Schiefergasgewinnung ist die Tatsache, dass viele Länder auf allen Kontinenten der Erde auf diese Methode zurückgreifen könnten, da riesige Reserven vorhanden sind. Dies würde zu einer Förderung im Inland führen, wodurch die Importe von Öl und Gas und dadurch die Abhängigkeit einzelner Länder deutlich reduziert werden könnten. Dies käme wiederum der Umwelt zugute, da Transporte wegfielen. Zudem könnte Erdgas nach dem Ausstieg aus der Atomkraft zur Stromerzeugung genutzt werden. Die Befürworter der Schiefergasgewinnung betonen, dass die negativen Folgen für Natur und Mensch durchaus vermieden werden könnten, wenn strengere Kontrollen durchgeführt würden. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierungen aller Länder dafür die Verantwortung tragen und entsprechende Gesetzesentwürfe vorlegen werden.

 

Bildquelle: jaddingt/Bigstock.com

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