8 Schüsse in den Rücken – Der Polizist war wieder weiß

In der Kleinstadt North Charleston im US-Bundesstaat South Carolina erschoss der weiße Polizist Michael Thomas Slager, 33, den Schwarzen Walter L. Scott, 50, mit 8 Schüssen. Der Polizist gab alle acht Schüsse auf den fliehenden Scott ab und traf diesen tödlich in den Rücken. Zufällig wurde der Vorgang von einem Passanten gefilmt.

Das Szenario am Tatort

Der Todesschütze gab zu seiner Verteidigung an, dass Scott ihm einen Elektroschocker entrissen hätte und er darum um sein Leben fürchtete. Allerdings zeigt das Video, wie der Polizist nach den Schüssen auf den bereits tödlich getroffenen, am Boden liegenden Walter L. Scott zugeht und ein Gerät, vermutlich der angeblich entrissene Elektroschocker, neben das Opfer legt. Zudem legt der Polizist dem mit 8 Schüssen getroffenen Walter l. Scott sogar noch Handschellen an. Das ganze wird noch dubioser, da der Polizist angibt, sein Opfer bei einer Verkehrskontrolle angehalten zu haben. Das Video zeigt jedoch klar, das sich der gesamte Vorgang in einem Park abspielte und keinerlei Fahrzeuge dabei waren.

Parallelen zu Ferguson

In vielerlei Hinsicht ähneln sich die Vorgänge des vergangenen Dienstags mit den polizeilichen Übergriffen des ebenfalls in den Südstaaten gelegenen Ferguson. Die Vorgänge in Ferguson haben verstärkt an die Oberfläche schwimmen lassen, was im angeblich liberalen Amerika gerne unterdrückt wird. Der latente Rassismus speziell in den Südstaaten. In vielen Teilen von South Carolina, Missouri oder etwa Florida sind der amerikanische Bürgerkrieg und der entgangene Sieg immer noch eine nicht verheilte Wunde. Dazu gehört eine tief empfundene Abneigung gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe. Ferguson genauso wie aktuell North Charleston sind nur die empörende Spitze eines andauernden Rassismus, der den weißen Kindern vielerorts quasi in die Wiege gelegt wird genauso wie Schwarze hier schnell lernen, dass sie nur Bürger zweiter Klasse sind.

Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert

Auch wenn es in Ferguson und jetzt vermutlich auch in North Charleston zu Protesten gegen Polizeigewalt kommt, so darf dabei nicht aus den Augen gelassen werden, dass es vor allem die überregionalen Medien des Internet sind, die dafür sorgten, das diese Fälle international bekannt wurden und somit der Reputation der USA erheblich schaden. Örtliche Vereine etwa für Menschenrechte oder Kirchen sind sicherlich dankbar für die Unterstützung von außen, selbst jedoch können sie durchaus nur als Mitläufer betrachtet werden. Vielmehr sind es die Schwarzen in Ferguson, die mit ihren tagelangen Protesten gegen das unverhältnismäßige Vorgehen der Polizei, die Öffentlichkeit bis hinein ins Weiße Haus mobilisierten. Natürlich reagierte der erste schwarze Präsident der USA entsprechend. Wie diese Reaktion unter dem Texaner und Südstaatler Bush ausgefallen wäre, lässt sich leicht erraten. Dementsprechend wurde aufgrund des neuerlichen Vorfalls und der Beweislast durch das Video in North Charleston der Polizist Michael Slager des Mordes angeklagt. Für die Südstaaten ein durchaus ungewöhnliches Vorgehen, besitzt doch im Süden der USA die Polizei gerade in Kleinstädten eine fast schon hohe Gewaltmacht. Doch diesmal ist der landesweite Druck so stark, dass die Staatsanwaltschaft wohl keine andere Möglichkeit sah. Wäre das Video als Beweismittel nicht vorhanden, würde sich Slager mit Sicherheit immer noch auf freiem Fuß befinden und allerhöchstens für eine Zeitlang vom Dienst suspendiert sein.

Wie ticken die Südstaaten?

Die Menschen, die in den Südstaaten der USA geboren werden und hier aufwachsen, befinden sich in einem Teufelskreis. Vor allem in den ländlich geprägten Gegenden. Die allgemeine Schulbildung ist eher als kläglich anzusehen und nach wie vor ist der Stolz, ein Südstaatler zu sein, eine prägende Eigenschaft die vom Vater auf die Söhne vererbt wird. Dazu gehört auch der Hass auf die Nachfahren der Sklaven. Zwar ist über den weißen Polizisten Slager noch nicht viel bekannt, es ist aber zu vermuten, dass dieser aus genau so einem Umfeld entstammt, indem die Bibel und das Gewehr zur Grundausstattung jeden Haushaltes gehören und nicht zuletzt die Meinung, das jedem Menschen sein Platz zugeordnet ist. Den Weißen oben und den Schwarzen unten. Wer denkt, dass dies doch im 21. Jahrhundert nicht mehr möglich sei, darf ruhig einmal den Bundesstaat Missouri oder South Carolina besuchen und sich in den zahlreichen Kleinstädten umhören oder auch nur umsehen. Durchaus freundliche und hilfsbereite Menschen, aber ein Schwarzer bleibt für viele in diesen Gegenden nun einmal einfach nur ein nicht gleichwertiger Mensch.

Bildquelle: mikeledray/Bigstock.com

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