Die Oscars 2015 – Gewinner und Verlierer

Lange im Voraus sorgte die Oscarverleihung für ein großes mediales Echo. Überraschungen blieben bei den Oscars 2015 weitestgehend aus. Die als Favoriten gehandelten Nominierten nahmen die meisten Preise mit nach Hause.

Gewinner und Verlierer im Überblick

In den wichtigsten Kategorien gewann »Birdman«. Neben der Auszeichnung für den besten Film zeichnete die Academy die Regie, die Kameraführung und das Original-Drehbuch mit einem Oscar aus. Die Satire rechnet auf sarkastische Weise mit den Geflogenheiten im Showgeschäft ab. Erstmals seit 1999 triumphierte eine Komödie im Rennen um die begehrteste Würdigung als bester Film. Ebenfalls vier Oscars errang der Film »Grand Budapest Hotel«. Die deutsche Koproduktion konnte sich bei den Oscars 2015 über vier goldene Trophäen in den Kategorien Produktionsdesign, Filmmusik, Make-up/Frisur und Kostümdesign freuen. Knapp dahinter ist der Film »Whiplash« platziert. Er erlangte die Auszeichnungen für den besten Nebendarsteller, Tonmischung und Schnitt. Von diesen drei Produktionen abgesehen, konnte bei den Oscars 2015 kein Film mehr als einen Oscar gewinnen.
Folgende Filme gewannen jeweils einen Oscar:

  • Die Entdeckung der Unendlichkeit« (Hauptdarsteller)
  • Still Alice – Mein Leben ohne Gestern« (Hauptdarstellerin)
  • Boyhood« (Nebendarstellerin)
  • Selma« (Filmsong)
  • The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben« (adaptiertes Drehbuch)
  • Ida« (nicht-englischsprachiger Film)
  • Baymax – Riesiges Robowabohu« (Animationsfilm)
  • Interstellar« (Spezialeffekte)
  • American Sniper« (Tonschnitt)
  • Citizenfour« (Dokumentarfilm)
  • Feast« (Animations-Kurzfilm)
  • Crisis Hotline: Veterans Press 1« (Dokumentar-Kurzfilm)
  • The Phone Call« (Kurzfilm)

The Imitation Game galt vorab als einer der Topfavoriten bei den Oscars 2015. Acht Nominierungen zählte der auf einer wahren Begebenheit beruhende Film. Er erzählt die Geschichte des homosexuellen Wissenschaftlers Alan Turing, der während des Zweiten Weltkriegs maßgeblich an der Entschlüsselung der Kommunikation des deutschen Militärs mitwirkte.
Am Ende der Verleihung stand lediglich einer von acht möglichen Oscars für das beste adaptierte Drehbuch. Zu den Verlierern der Verleihung der Oscars 2015 gehörte trotz Auszeichnung der Film American Sniper. Clint Eastwood dürften die Oscars 2015 enttäuscht haben, schließlich wurde sein Kriegsdrama in sechs Kategorien nominiert. Letztendlich musste sich das Drama mit lediglich einer Auszeichnung in einer zweitrangigen Rubrik, dem Tonschnitt, begnügen. Viele Kritiker zeigten sich enttäuscht, weil der Film »Selma«, der vom Kampf Martin Luther Kings, der für die Gleichstellung von Weißen und Schwarzen kämpfte, lediglich mit dem Oscar für den besten Filmsong ausgezeichnet wurde.

Die Highlights der Verleihung

Jenseits des Wettbewerbs um die heiß begehrte Trophäe tragen die Damen alljährlich einen Wettstreit um das grazilste Outfit aus. Die Kleider der Damen bei den Oscars 2015 muteten weitgehend klassisch an, weshalb sie für wenig Gesprächsstoff sorgten. Lediglich Rita Ora sorgte für Aufsehen, indem sich nach der Preisverleihung von der eleganten Abendrobe zum Nacktkleid wechselte. Für einen skurrilen Moment sorgte Neil Patrick Harris. Der aus der amerikanischen Sitcom »How I met your mother« bekannte Serienstar führte durch das Programm der Oscars 2015. Nach einer Werbeunterbrechung betrat er die Bühne lediglich mit Schuhen, Socken und einer Unterhose bekleidet. Er witzelte, es sei ihm nicht gelungen, sich rechtzeitig umzuziehen. In Wahrheit spielte er mit seinem lasziven Auftritt auf eine Szene aus dem Film Birdman an. Von der ungewöhnlichen Bekleidung des Moderators abgesehen, kam die Verleihung der Oscars 2015 ohne Skandale aus. Kritik erntete Harris für die mitunter unglücklichen Überleitungen. Er spottete über das Kleid der mit einem Oscar für den besten Kurzfilm ausgezeichneten Preisträgerin Dana Perry; kurz nachdem sie die Auszeichnung ihrem Sohn widmete, der sich das Leben genommen hatte. Der anrührende Moment bewegte das Publikum, umso pietätloser wirkte die Äußerung von Harris.

Oscars 2015 – kein großes Spektakel, aber politisch

Die Show bewerteten viele als Enttäuschung. Zwar verlief die Verleihung abgesehen von einer Übertragungspanne des Privatfernsehsenders Pro 7 pannenfrei, Höhepunkte, die im Nachhinein in Erinnerung blieben, suchten Beobachter jedoch vergeblich. Die Dankesreden bei den diesjährigen Academy Awards fielen überdurchschnittlich politisch aus. Die Journalistin Laura Poitras nutzte das Scheinwerferlicht für ein Plädoyer gegen massenhafte Überwachung durch Geheimdienste. Sie mahnte: Wir verlören die Fähigkeit die Mächte zu überwachen, die uns kontrollieren. Die Entscheidung den Dokumentarfilm Citizenfour mit einem Oscar zu würdigen, stoß in Amerika nicht allseits auf Verständnis. Die Dokumentation beleuchtet das Wirken des Whistleblowers Edward Snowden, der in den Augen vieler Amerikaner ein Verräter ist. Eine Position die offenbar auch Moderator Harris vertritt. Er ließ sich zu dem Wortspiel hinreißen Snowden sei verhindert. Aus irgendwelchen Gründen, wie er behauptete. Statt die gleichbedeutenden englischen Worte for some reason zu verwenden, sagte er for some treason. Treason bedeutet Hochverrat. Der Lapsus offenbarte einmal mehr wie schwierig der eherne Grundsatz der Academy Awards: »The Show must go on«, mit den tagesaktuellen Filmen im Wettbewerb in Einklang zu bringen ist. Patricia Arquette nutzte die ungeteilte Aufmerksamkeit, die ihr im Zuge der Verleihung des Oscars für die beste Nebendarstellerin zu Teil wurde, um die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen zu fordern. Mit ihrer Rede sorgte sie für stehende Ovationen im Saal. Common und Legend erinnerte daran, dass Afroamerikaner bis heute nicht dieselben Rechte genießen wie ihre weißen Landsleute. Eine Anspielung auf die Proteste in Ferguson, die durch die tödlichen Schüsse eines weißen Polizeibeamten auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen ausgelöst wurden.

Die glanzvolle Gala stand auch dieses Mal im Fokus der Veranstalter. Den Leitsatz Filme ungeachtet politischer Entwicklungen zu würdigen, konnte die Academy nicht erfüllen. Die eindeutig auf Unterhaltung fokussierte Moderation wirkte im Angesicht der zahlreichen mit Oscars ausgezeichneten politischen Filme etwas deplatziert.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 58744535 by kathclick

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