Rücktritt des Pegida-Chefs und dessen Folgen

Nach einer starken Welle der Kritik und der Entrüstung tritt der selbsternannte Pegida-Chef Lutz Bachmann zurück. Diese Entscheidung teilte die Sprecherin der Bewegung – Kathrin Oertel – mit. Die Gründe für seinen Rücktritt sind vielfältig. Schon seit geraumer Zeit steht Lutz Bachmann in der Missgunst der Öffentlichkeit und der Nachrichten.

Eine Chronologie

Blickt man hinter die Person Lutz Bachmann, so stellt man schnell fest, dass die Historie des Pegida-Chefs rechtlich nicht unbedenklich ist. Das Strafregister enthält mehrere Einträge. Bachmann musste sich mehrfach vor Gericht verantworten und unternahm sogar einen Fluchtversuch ins Ausland. Diese Eigenschaften machen den Frontmann der Bewegung, deren Abkürzen für die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ steht, verhältnismäßig unglaubwürdig. Aus diversen Presseberichten geht hervor, dass Pegida-intern schon länger über einen Nachfolger Bachmanns diskutiert wird. Der endgültige Fall des Lutz Bachmann wurde jedoch durch die Unternehmungen einer Hackergruppe besiegelt. Den IT-Spezialisten gelang es über technische Umwege, das bereits deaktivierte Facebook-Profil von Lutz Bachmann zu reaktivieren. Neben einer Vielzahl von ausländer-, migranten- und asylantenfeindlicher Kommentare Bachmanns tauchte so auch ein Foto auf, welches Bachmann als Adolf Hitler darstellt. Die Haare wurden zu einem entsprechenden Scheitel gekämmt, der Bart entsprechend gestutzt. Unter dem Bild erschien der zynische Satz „Er ist wieder da!“. Bachmann selbst behauptet zwar, dass es sich bei diesem Foto lediglich um einen Scherz gehandelt habe, diese Ausflucht glaubt ihm jedoch selbst in der Pegida-Bewegung niemand mehr. Das Foto sei eine Anspielung auf den zum damaligen Zeitpunkt aktuellen Roman „Er ist wieder da“ von Timur Vermes. Die internationale Presse veröffentliche das Bild von Lutz Bachmann als Adolf Hitler. Ein Rücktritt war somit unumgänglich. Die Staatsanwaltschaft leitete nach der Veröffentlichung des Fotos ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung ein. Die Entscheidung über Bachmanns Rücktritt fiel nach einer Sitzung des zwölfköpfigen Organisatorenteams der Bewegung. Bachmann bot seinen Rücktritt allerdings aus freien Stücken an und entschuldigte sich für die Vorkommnisse.

Wie sieht die Zukunft der Pegida-Spitze aus?Derzeit verfügt die Pegida-Bewegung noch über keinen neuen Chef. Es ist auch noch nicht abzusehen, ob ein offizieller Nachfolger Bachmanns benannt bzw. einberufen wird. Die künftigen sogenannten Montagsspaziergänge werden in erster Linie durch das vorgenannte zwölfköpfige Organisatorenteam der Bewegung in die Wege geleitet. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist, ob Pegida zum derzeitigen Zeitpunkt überhaupt einen offiziellen Nachfolger für Lutz Bachmann benötigt. Die Unternehmung ist sehr stark in den sozialen Netzwerken verwurzelt. Anhängerinnen und Anhänger können über Facebook, Twitter und anderen Kanälen stets aktuelle Informationen zu den geplanten Aktionen erhalten. Diese Informationen werden in der Regel durch die Anhängerinnen und Anhängerinnen geteilt, gespiegelt und weiterkommuniziert. Aufgrund dieser dezentralen Informationsverbreitung ist ein Mann bzw. eine Frau an der spitze nicht entscheidend für den Erfolg bzw. den Misserfolg der Bewegung. Die nächsten ein bis zwei Wochen werden jedoch zeigen, ob das Organisationsteam eine neue offizielle Führung aus seiner Mitte heraus wählt oder bestimmt. Sollte dies der Fall sein, so wird man die historischen Hintergründe der potenziellen Personen besser durchleuchten und einen geeigneten Kandidaten / eine geeignete Kandidatin aufstellen. Auch eine sogenannte Doppelspitze (die Leitung von zwei gleichberechtigten Personen) wäre denkbar.Schadet der Rücktritt Lutz Bachmanns der Bewegung Pegida?

Innerhalb der internationalen Presse werden Stimmen laut, die die These vertreten, der Rücktritt Lutz Bachmanns schade der Bewegung Pegida im erheblichen Maße. Einige Journalisten prognostizieren bereits die Auflösung. Tatsächlich ist es so, dass die Bewegung derzeit ausschließlich in Dresden eine größere Menge von mitspazierenden Personen vorweisen kann. Doch auch hier deutet sich bereits ein nicht unerheblicher Rückwärtstrend an. Zu den zahlreichen bundesweiten Ablegern von Pegida gehören z. B.:

  • Fragida (Frankfurt am Main)
  • Legida (Leipzig)
  • Dugida (Duisburg)
  • Bärgida (Berlin)

Neben der rückläufigen Teilnehmeranzahl hat die Bewegung Pegida mit einer gut organisierten Gegendemonstrationsfraktion zu kämpfen. In nahezu jeder Stadt, in der Pegida oder ein Ableger tätig ist, entstehen Gegendemonstrationen. Die Anzahl der dort teilnehmenden Personen übersteigt die der Pegida-Bewegung in der Regel deutlich. In einigen Städten kam es bereits zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Anhängerinnen und Anhängern der Bewegung, der Polizei sowie der Gegendemonstranten. Dies steht im klaren Widerspruch zu den formulierten Zielen, friedlich und gewaltfrei spazieren zu wollen. Sollte sich der Teilnehmertrend verschärfen, so ist eine Auflösung der islamkritischen Bewegung zumindest denkbar und auch naheliegend. Hierbei ist auch die Frage relevant, über welchen Zeitraum eine Bewegung die teilnehmenden Personen regelmäßig auf die Straße holen kann. Die Vergangenheit der Demonstrationsbewegungen hat gezeigt, dass eine solche Unternehmung immer nur für einen gewissen Zeitraum möglich ist, da die Glaubhaftigkeit der Sache in Frage gestellt wird, wenn sich nach einer gewissen Zeit keine Änderungen in den Kernforderungen der Sache ergeben.

Bilduqelle: Bigstock-ID: 76225421 by Nik_Sorokin

Trackbacks/Pingbacks

  1. Hetze im Netz - Rassismus 2.0 • Allgemein, Kultur, WWW • org.de - 6. Juni 2016

    […] Erbe der Neuen Rechten offen zu Tage. Wenn sich beispielsweise der Initiator der Pegidabewegung, Lutz Bachmann, bei Facebook als neuer Hitler stilisiert, dann ist dies ein Zeichen dafür, dass der Umgang mit […]

Einen Kommentar hinterlassen