Charlie Hebdo – Ein trauriger Tag für Frankreichs Hauptstadt

Mittwoch, 07. Januar 2015: Dieser Tag wird in die französische Historie eingehen. Als ein schwarzer Tag. Als ein trauriger Tag. Der Tag des grauenhaften Angriffs von Terroristen auf die Meinungs- und Pressefreiheit in Frankreich und des gesamten Abendlandes. Noch weit über diesen Tag hinaus wird weltweit über den  Anschlag in Paris berichtet werden, so viel scheint sicher. Zweifelsohne wird auch der Name „Charlie Hebdo“ ewig damit in Verbindung stehen.

Zwölf Tote, zahlreiche Verletzte

Die Chronologie des Attentats: Im 11. Pariser Arrondissement, unweit des von Touristen häufig frequentierten Place de la Bastille im Herzen der französischen Hauptstadt, haben drei vermutlich radikal-islamistische Terroristen am späten Vormittag des 7. Januar 2015 das Redaktionsgebäude der islamkritischen Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ gestürmt und töteten bei ihrem Unternehmen zwölf Menschen. Zur Tatzeit fand die Redaktionssitzung statt, sodass die wichtigsten Köpfe der Zeitung vor Ort waren. Vier Zeichner der Satire-Zeitung fielen dem Anschlag zum Opfer, darunter neben Georges Wolinski, Jean Cabu und Bernard Verlhac auch der langjährige Chefredakteur Stéphanne Charbonnier sowie Polizisten, die eigens zur Sicherung des Redaktionsgebäudes angesetzt waren. Neben den Toten sind auch zahlreiche Verletzte zu beklagen. Die Zahl wird in unterschiedlichen Quellen und Nachrichten auf 10 bis 14 Verletzte beziffert. Als Tatwaffen gelten eine Kalaschnikow und ein Raketenwerfer, obgleich hierbei widersprüchliche Angaben kursieren und eine offizielle Meldung seitens des französischen Innenministeriums noch aussteht.

Mutmaßliche Täter: algerischstämmige Franzosen

Augenzeugenberichten zufolge sprachen die Attentäter exzellentes Französisch, was auf die Tat französischer Staatsbürger algerischer Abstammung hindeutet. Zudem riefen sie während des Anschlags vermehrt „Allahu akbar“, „Allah ist groß“, was auf einen radikal-islamistischen Tathintergrund hindeutet. Als dringend tatverdächtig gelten die 32- und 34-jährigen Saïd und Sherif Kouachi, erst kürzlich aus dem syrischen Kriegsgebiet zurückgekehrt, sowie der 18-jährige Hamyd Mourad, welcher bereits unweit der französisch-belgischen Grenze aufgregriffen wurde, in Polizeigewahrsam ist, zugleich allerdings seine Unschuld beteuert. Die Kouachi-Brüder, vom Innenministerium als Haupttäter benannt, sind in Polizeikreisen bekannt und wurden schon im Jahr 2008 zu jeweils drei Jahren Haft verurteilt.

Stundenlange Flucht durch den Nordosten Frankreichs

Nach Ausführung des Anschlags flüchteten die Tatverdächtigen in einem PKW zunächst in den Pariser Nordosten, wo sich vorläufig die Spur verlor. Die Ermittler gehen davon aus, dass das in Reims wohnhafte Brüderpaar in eben jene Richtung geflohen ist. Während ihrer Flucht lieferte sich das Anschlagsduo mehrere Schusswechsel mit der Polizei, bei dem ein am Boden liegender verwundeter Polizist exekutiert worden ist. Zeugenvideos belegen diese Informationen. Danach wechselten sie mehrfach die Fahrzeuge, ehe sie sich offenbar in einem Haus in Crépy-en-Valois verschanzt haben.

„Charlie Hebdo“ zum vermehrten Mal Anschlagsziel

Schon mehrfach in der Vergangenheit ist die Redaktion von „Charlie Hebdo“ Opfer einschüchternder terroristischer Anschläge geworden. Bereits im November 2011 brannten Teile des Redaktionsgebäudes aus, als Unbekannte Molotow-Cocktails warfen. Damals waren allerdings keine Verletzten zu beklagen. Ein voraussichtlicher Grund für den Paris Anschlag sind zahlreiche islamkritische Zeichnungen in der satirischen Zeitung, bei der auch der islamische Prophet Mohammed mehrfach dargestellt worden ist. Dies sehen radikale islamische Traditionalisten als einen Verstoß gegen muslimische Werte, da eine bildliche Darstellung des Propheten als illegitime Handlung erachtet wird. Als 2006 die dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ in den Fokus von böswilligen Anschuldigungen aufgrund von Mohammed-Karikaturen gelangte, war „Charlie Hebdo“ eine der wenigen Zeitungen weltweit, welche die Karikaturen ebenfalls abdruckte. Chefredakteur Stéphane Charbonnier wies die Kritik an seinen Veröffentlichungen jedoch zurück, berief sich auf die geltende Presse- und Meinungsfreiheit, sodass die Redaktion in Folge dessen keineswegs in ihrer Schärfe zurücksteckte. Selbst nach dem neuerlichen Anschlag kündigte die Redaktion an, weiterarbeiten zu wollen.

Politiker bekunden weltweit Mitgefühl

Eine politische Reaktion blieb selbstverständlich nicht aus: Weniger als eine Stunde nach dem Paris Anschlag traf Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande am Ort des Geschehens ein. Zudem setzte er noch am gleichen Tag eine Krisensitzung des Kabinetts ein. Des Weiteren gilt in Paris seit dem Anschlag die höchste Terror-Warnstufe. Die Polizeipräsenz wurde verstärkt. Doch auch die oppositionellen Parteien, allen voran der von Marine le Pen geführte Front National ließen nicht lange mit einer Reaktion auf sich warten. Die Parteiführerin verlangte umgehend eine Volksabstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe. Es wird erwartet, dass der rechts-nationale Front National aus dem Paris Anschlag riesiges politisches Kapital schlagen und einen enormen Zulauf aus der Bevölkerung erfahren wird. Um 12:00 Uhr am Donnerstag Mittag wurde den Verstorbenen im gesamten französischen Raum sowie an einigen Orten in der gesamten Welt in einer Schweigeminute gedacht. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premierminister David Cameron und der Präsident der USA, Barack Obama, bekundeten ihr Mitgefühl mit der französischen Gesellschaft und kritisierten den Paris Anschlag als einen barbarischen Terrorakt gegen die freiheitlich-demokratische Kultur.

Terroristische Anschläge in Deutschland unwahrscheinlich

Dem Paris Anschlag folgend, stellt sich verständlicherweise die Frage, ob ein ähnliches Anschlagsszenario auch in Deutschland eintreten könne. Hierzulande gibt es nur wenige überregional bekannte Satire-Zeitschriften, zu denen zweifelsohne „Eulenspiegel“, „pardon“, „Der Postillon“ sowie der Marktführer, das „Titanic“-Magazin, zählen. Ein eben solcher Anschlag in Deutschland gilt allerdings als unwahrscheinlich, obgleich der Chefredakteur des „Titanic“-Magazins, Tim Wolff, bereits bekundete, nun erst recht nicht zurückstecken zu wollen. Der Anschlag in Paris solle kein Grund für die Abschaffung der Meinungs- und Pressefreiheit sein.

Im Kurzüberblick die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Tage:

  • Am Mittag des 7. Januar 2015 stürmen mutmaßlich radikal-islamistische Terroristen das Redaktionsgebäude der Pariser Satirezeitung „Charlie Hebdo“.
  • Die schrekliche Bilanz des Attentats: 12 Tote und zahlreiche Verletzte.
  • Die Täter flüchteten zunächst erfolgreich und verschanzten sich mutmaßlich in einem Haus in Crépy-en-Valois.
  • Der Anschlag wurde von der Staatengemeinschaft und Führern muslimischer Zirkel verurteilt.

Bildquelle: Bigstock-ID: 76566572 by pillerss

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