Die Landung von „Philae“

Am 12. November 2014 hielten Wissenschaftler und Forscher auf der ganzen Welt den Atem an: Das Minilabor Philae setzte zur lang ersehnten Landung auf seinem Zielkometen an. Medien und Wissenschaftler beschreiben das Ereignis als vergleichbar mit der ersten Mondlandung im Jahr 1969. Dieser Meilenstein der Weltallforschung beruht auf einem Jahrzehnt Geduld. Denn seitdem sich die Raumsonde Rosetta am 2. März 2004 auf den Weg machte, um das Minilabor zu seinem Einsatzort zu bringen, setzen Wissenschaftler und Experten sehr viel Hoffnung in die Erkenntnisse, die diese Mission am Ende einbringen soll. 

Ziel der Reise war der Komet 67P/Tschurjumow-Gerasimenko, der sich zum Zeitpunkt der Landung in etwa 510 Millionen Kilometer Entfernung zur Erde befand. Auf ihm sollte eine bislang beispiellose Landung versucht werden – mit Erfolg.

Der lange Plan der Wissenschaft

Bereits im Jahr 1985 stellte die ESA das Langzeitprogramm „Horizont 2000“ vor, zudem der Einsatz der Raumsonde Rosetta und des Minilabors Philae zählt. Ursprünglich lagen die Pläne jedoch darin, Material eines Komet auf die Erde zu befördern. Nach allerhand Planänderungen einigten sich die Beteiligten jedoch auf die nun durchgeführte Mission der direkten Untersuchung vor Ort durch das Minilabor Philae. Zunächst waren zwei Sonden für die Mission geplant. Die französisch-amerikanische Beteiligung zerschlug sich jedoch, so dass am Ende der Bau der deutsch-französischen Sonde Rosetta umgesetzt wurde. Die ESA investierte rund 770 Millionen Euro in die Umsetzung der Mission, exklusive der Kosten, die für wissenschaftliche Experimente und den Lander Philae anfielen. Insgesamt belaufen sich die Kosten demnach auf etwa eine Milliarde Euro. Deutschland beteiligte sich als präsenteste Nation mit einem Betrag von etwa 290 Millionen an der Mission.

Philae soll Antworten liefern

Abgesehen von der Tatsache, dass Philae das bisher erste von menschlicher Hand geschaffene technische Gerät ist, das sich mit dem Ziel auf einem Komet zu landen ins All wagte, sehen Experten nun einem noch brisanteren Aspekt des Experiments entgegen. Denn das Minilabor hat einen wichtigen Auftrag. Anhand von Messungen und Bohrungen sollen Fragen beantwortet werden können, welche die Wissenschaft seit jeher beschäftigen. So soll zum Beispiel geklärt werden, wo das Wasser unserer Erde ihren Ursprung hat. Damit nicht genug soll der Komet auch Hinweise darauf liefern, worauf die Herkunft des Lebens beruht. Um diese Antworten zu bekommen, arbeitet das etwa 100 kg schwere, jedoch mit nur einem Kubikmeter Umfang lediglich kühlschrankgroße Minilabor auf Hochtouren und führt chemische und physikalische Tests durch. Die Untersuchung des Komet soll, so hoffen die Wissenschaftler, Einblicke in die Anfänge unseres Sonnensystems und unserer Erde liefern. Entstand tatsächlich nur auf unserer Erde Leben? Wurden die komplexen Moleküle, auf denen unser aller Entstehen beruht, tatsächlich wie bisher angenommen von Kometen auf die Erde gebracht? Oder entstanden sie doch direkt hier auf dem Planeten? Fragen, die ohne die Untersuchungen eines Komet wohl niemals absolute Aufklärung erfahren würden, sollen nun anhand der Ergebnisse, die Philae liefert, geklärt werden.
In der Idee, der Entstehung unseres Planeten zumindest ein wenig mehr auf den Grund gehen zu können, keimt außerdem die Hoffnung mehr darüber zu erfahren, wie er künftig geschützt werden kann. Wissenschaftler und Experten erhoffen sich demnach nicht nur Hinweise auf die Vergangenheit, sondern auch darauf, wie unsere Welt in Zukunft nachhaltig, beispielsweise im Bezug auf die Umwelt und Atmosphäre, geschützt werden kann.

Holprige Landung

Nach der zehnjährigen Reise wurde die Landung des Minilabors auf dem Komet mit Spannung erwartet. Die Abkoppelung von der Transportsonde Rosetta verlief problemlos und auch die Landung glückte – zumindest beim dritten Anlauf. Nach sieben Stunden freiem Fall prallte das Labor zwei Mal ab, bevor es endgültig aufsetzte. Diese unsanfte Landung strapazierte die Geduld der Beteiligten zusätzlich: Der erste Aufprall auf der Oberfläche des Komet katapultierte Philae für weitere zwei Stunden ins All. Die zweite Landung verlief sanfter, auch wenn der Lander weitere sieben Minuten über der Oberfläche schwebte, bevor er an seinem endgültigen Landeplatz festmachte. Der Grund für die aufreibende Landung auf dem Komet ist auf zwei, nicht wie angedacht ausgelöste, Harpunen zurückzuführen. Diese sollten das Labor verankern, sobald zwei der Landebeine den Boden berühren – jedoch versagte die Technik. Der jetzige Standplatz ist allerdings nicht perfekt. Auch wenn Philae zunächst wie berechnet die angedachte Landebahn einhielt und scheinbar exakt auf dem berechneten Platz zu landen schien, veränderte sich die Position durch die beiden fehlgeschlagenen Landeversuche eher zum Negativen. Ein steiler Abhang als Untergrund und lediglich zwei statt der angedachten drei Landebeine verheißen einen nicht absolut sicheren Stand. Dennoch arbeitet das Labor problemlos und es konnten bereits nach kurzer Zeit erste Daten empfangen werden.

Philae könnte mehr Sonne vertragen

Neben dem wenig optimalen Untergrund, der das Navigieren des Landers auf dem Komet erschwert, befindet sich der neue Landeplatz außerdem im Schatten. Ein großer Felsvorsprung verhindert, dass ausreichend Sonneneinstrahlung bei dem Labor ankommt. Die Batterien, durch welche die Stromversorgung des Landers Philae auf dem Komet gewährleistet werden sollte, werden anhand von Solarzellen aufgeladen. Aufgrund des Standortes erreicht Philae nun jedoch maximal eine Stunde Sonnenlicht pro Tag, wodurch die Energiereserven möglicherweise schon bald aufgebraucht sein werden. Die eigentliche minimale Betriebsdauer der Sonde Philae wurde mit etwa 64 Stunden beziffert. Zunächst wagte man die Hoffnung, die Sonde über einen mehrwöchigen Zeitraum betreiben zu können. Durch den nicht perfekten Landeplatz im Schatten ist nun jedoch damit zu rechnen, dass die Energie der Sonde wesentlich früher aufgebraucht sein wird. Experten sprechen daher von einer Einsatzdauer von wenigen Tagen.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 35832029 by Christopher Halloran

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