Black Friday – Der amerikanische Schnäppchen-Tag

Black Friday ist nicht etwa das US-amerikanische Äquivalent zum Deutschen Freitag den Dreizehnten. Genauso wenig handelt es sich um den Titel eines aktuellen Horrorfilms. Etwas „horrible“ zugehen kann es am Black Friday aber trotzdem, denn der Amerikaner bezeichnet so den alljährlichen Freitag nach Thanksgiving. Das entspricht dem vierten Freitag im November, der in den USA jährlich das großzügige Weihnachtsshopping einläutet. 

Großer Bruder Black Thursday

Für Händler ist der Black Friday seit 2006 der verkaufsstärkste Tag des Jahres. Einige wollen darin die Ethymologie des Begriffes erklärt sehen. „Black Friday“ soll demzufolge auf die Chance von Geschäften anspielen, ihre roten Zahlen an nur einem Tag zu schwarzen zu machen. Andere wollen in der Bezeichnung eine bildhafte Anspielung auf die kauflustigen Menschenmassen erkennen, die von weitem wie ein dunkler Schatten in den Kaufstraßen wirken. Mit der ethymologischen Wahrheit haben beide Spekulationen wahrscheinlich wenig zu tun. Entscheidend ist vermutlich die unübersehbare Verbindung zum „Black Thursday“, dem Crash der New Yorker Börse, der 1929 die US-amerikanische Wirtschaft erschüttert. Im deutschen Sprachraum ist dieser schwarze Tag des Wirtschaftsgeschehens aus Gründen der Zeitverschiebung als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte eingegangen. Das bewirkt hierzulande häufig eine Verwechslung der beiden Begriffe. Der „Black Friday“ hat mit dem „Black Thursday“ oder „Schwarzen Freitag“ aber nur indirekt zu tun. Durch die Inflationsfolgen des Börsencrashs setzen Amerikaner ihr Erspartes 1929 mit voller Kaufkraft in Ware um. Die Investitionsfreude und den offenherzige Umgang mit Geld teilt der „Black Thursday“ in gewisser Weise mit dem „Black Friday“. Ethymologisch liegt der Bezeichnung daher vermutlich eine Bezugnahme auf den schwarzen Tag der New Yorker Börse zugrunde.

Ein Volksbrauch im und für das Wachstum

Dass Amerikaner am Black Friday im wahrsten Sinne des Wortes mit Geld um sich werfen, liegt an den Rabatt- und Weihnachtsaktionen, mit denen die Händler am besagten Tag für sich werben. Der Einkaufstag kurz nach Thanksgiving ist in den USA mittlerweile groß organisiertes Volksevent und der günstige Black Friday Sale gewinnt Jahr für Jahr an Ausmaß. Während Schnäppchenjäger bis vor einigen Jahren noch Freitag Morgen auf die Öffnung der Geschäfte warten, beginnt das Spektakel heutzutage schon Donnerstag Nacht. Das Event befindet sich in kontinuierlichem Wachstum. Da der Black Friday zum förderlichsten Tag für die US-amerikanische Wirtschaft geworden ist, geht die Ausdehnung des Verkaufsbooms auf den Vortag zugleich mit wirtschaftlichem Wachstum einher. Wie viel der Black Friday Sale den Käufer tatsächlich sparen lässt, ist in Anbetracht dessen fragwürdig, aber vorrangig um den Spareffekt geht es bei dem Brauch Black Friday ohnehin nicht mehr. Das stetig steigende Wachstum des Events hat dem vierten Freitag im November mittlerweile auch international zu Bekanntheit verholfen.

Die Expansion eines US-Brauchs

Heute hat der US-Brauch das Ausland ergriffen. Experten führen die internationale Expansion des Black Friday Sale auf moderne Technologien zurück. In einer digital und wirtschaftlich vernetzten Welt bieten einige US-Händler ihre Black-Friday-Aktionen über den Online-Markt bald auch dem ausländischen Schnäppchenjäger an. Weltweite Konzerne wie Apple nehmen bei der Expansion des Events ins Ausland eine Pioniersrolle ein. Der Technologie-Führer stellt dem deutschen Kunden pünktlich zum Black Friday schon seit Jahren mehr oder weniger stark reduzierte Ware vor. Während das Event in den USA vorwiegend von Direktkäufen lebt, beschränkt sich das Black-Friday-Geschehen im Ausland bislang allerdings auf den Online-Handel. Ein weit verbreiteter Irrtum hierzulande ist die Vermutung, am Black Friday würden vorwiegend Elektro-Artikel angeboten. Dieser Eindruck rührt von der Expansionsschlüsselrolle Apples her, ist aber ein Missverständnis. Neben großen Computer– und Technologieproduzenten engagieren sich mittlerweile auch Amazon, Zalando und Schiesser im deutschen Black Friday Sale. Der beliebte Textilhändler Defshop ist genauso dabei, wie Fressnapf.

Für ‚nen Appel und ‚n Ei? – Apples deutsche Black-Friday-Rabatte

Dass am Black Friday hierzulande nicht zwingend Rabatt drin ist, wo Rabatt drauf steht, hat Apple selbst dem deutschen Kunden im Jahr 2012 bewiesen. Das damals höchst begehrte Macbook setzt der technologische Konzern auf dem deutschen Markt in einer Black-Friday-Aktion herunter – um sage und schreibe einen vollen Euro. Bei einem Preis im vierstelligen Eurobereich möchte der Kunde diesen minimalen Rabatt fast schon als Trinkgeld zurücklassen. Der Konzern setzt aber noch einen drauf, als er das Angebot noch am selben Tag um ganze Hundert Euro teurer macht. Das Macbook ist damit plötzlich 99 Euro kostspieliger, als es noch vor dem Black Friday gewesen ist. Andere Händler bieten dasselbe Produkt am gleichen Tag ohne Black-Friday-Rabatt deutlich günstiger an. Bei Rabatt-Angeboten im Zuge des Black-Friday-Events ist daher Vorsicht geboten. Zumindest verbietet das deutsche Gesetz die Vorgauklung von Rabattgeschäften, was wenigstens einen Rahmen für den Verbraucherschutz absteckt. Der duchschnittliche Händler wird daher aus Gründen der Illlegaliität keine Produkte mit Rabattschildern ausweisen, wenn er sie nicht wirklich günstiger anbietet. Günstiger ist aber Definitionssache: Auch eine Vergünstigung im Cent-Bereich darf als Rabatt ausgewiesen werden. Das gilt sogar dann, wenn andere Händler sie zu kleinerem Preis vertreiben. Wie bei jedem anderen Rabatt-Geschäft, so zum Beispiel bei Winterschluss- und Sommerschlussverkäufen, hat derjenige, der nicht fleißig vergleicht, auch bei Black-Friday-Angeboten häufig die Nachsicht. Damit der Black Friday Sale für den Verbraucher also nicht zu einem schwarzen Tag wird, sind Aufmerksamkeit und ein gesundes Maß an Misstrauen alles andere als fehl am Platz.

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