Kailash Satyarthi – Friedensnobelpreis für Arbeit gegen Kindersklaverei

In diesem Jahr haben Malala Yousafzai und Kailash Satyarthi den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Neben dem Medienliebling Yousafzai, einem gerade einmal 17 jährigen Schulmädchen, das sich für das Recht auf Bildung für Kinder einsetzt und das schon vor zwei Jahren wegen eines auf sie verübten, nur knapp überlebten Anschlags einige Bekanntheit erlangt hatte, mag die Figur des Kailash Satyarthi in den Augen vieler Bürger ein wenig verblassen. Doch ist es Kailash Satyarthi der, gemessen am Erfolg und an dem, was er erreicht hat, mehr Aufmerksamkeit verdient. Denn er blickt auf ein Leben als Aktivist zurück, Yousafzai steht erst am Anfang, wenngleich zu erwarten ist, dass sie einen ähnlichen Weg einschlagen wird. Der Friedensnobelpreis wird jedoch für beide, ganz ungeachtet der Unterschiede, ein Ansporn zu weiteren Bemühungen sein.

Frühes Engagement

Kailash Satyarthis Weg zum Friedensnobelpreis war lang. Denn auch Kailash Satyarthi begann bereits in jungen Jahren mit seinem Einsatz für Kinder. Noch während seiner Schulzeit gründete er einen Fußballverein, dessen Beiträge er zur Finanzierung einer Ausbildung für Kinder aus armen Verhältnissen verwendete. Er begann sein ehrenamtliches Engagement in einem Alter, in dem andere noch die von ihm so vehement verteidigte Kindheit genießen. Auch in seinem weiteren Leben brachte er für seinem Kampf viele Opfer. So gab er beispielsweise 1980 seinen Beruf als Elektroingenieur auf, um sich ganz seinen Zielen widmen zu können.

Das „GoodWeave“ Siegel

Auf Satyarthi, den Mann, der als erster Inder überhaupt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist auch das „GoodWeave“ Siegel zurückzuführen, das Teppiche, die ohne Kinderarbeit entstanden sind, kennzeichnet. Damit ein Teppich ein solches Siegel erhält, darf der Exporteuer beziehungsweise der Hersteller (aus Indien oder Nepal) in der Produktion keine Kinder unter 14 Jahren beschäftigen. Zudem ist er verpflichtet, Inspekteuren jederzeit Zutritt zu den Produktionsstätten zu gewähren und eine Lizenzgebühr zu zahlen. Die Importeure wiederum verpflichten sich, ihre Ware lediglich von lizensierten Herstellern zu beziehen und zahlen ebenfalls eine Lizenzgebühr.

„Global March Against Child Labour“

Satyarthi ist Vorsitzender der Organisation „Global March Against Child Labour”, zu Deutsch etwa „weltweiter Marsch gegen Kinderarbeit” ist ein Zusammenschluss aus Handelsverbänden, Lehrerorganisationen und Bürgerbewegungen, die es sich gemeinsam zum Ziel gesetzt haben, die Kinderarbeit zu stoppen und auch Kindern aus armen Familien eine Grundbildung zu ermöglichen, indem sie weltweite Märsche organisieren.

„Bachpan Bachao Andolan“

„Bachapan Bachao Andolan“ („Rettet die Kindheit“), kurz BBA, wurde von dem mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Kailsah Satyarthi selbst, im Jahr 1980, gegründet und will eine kinderfreundliche Welt erreichen. Mit spektakulären Befreiungsaktionen hat diese Nichtregierungsorganisation schon über 82,000 Kinder in Indien aus den Fängen der Sklaverei, der Prostitution und der Kinderarbeit gerettet.

Widerstand und Hindernisse

An Kailash Satyarthi führt in der Welt der indischen Kinderrechtsbewegung kein Weg vorbei. Das scheinen auch die zahlreichen Gegner seiner Ziele bemerkt zu haben. Auf Satyarthi wurden bereits einige Anschläge verübt, oft wurde er zusammengeschlagen, es gab mehrere Fälle von Brandstiftung in seinem Büro und er erhielt unzählige Morddrohungen. Tatsächlich hat Satyarthi schon zwei seiner Kollegen verloren. Einer wurde erschossen, ein anderer zu Tode geprügelt. Ein Mann wie Kailash Satyarthi hat viele Feinde. Daran wird wohl auch der Friedensnobelpreis nichts ändern. Eher im Gegenteil: Durch diese Auszeichnung ist der Aktivist bekannter geworden, er hat nun noch größeren Einfluss. Mit diesem vermehrten Einfluss wird er seinen Feinden, den Profiteuren der Kinderarbeit, nur noch mehr schaden und sie noch mehr gegen sich aufbringen.

Auszeichnungen

Umso mehr Respekt und Anerkennung verdient er für seine nicht ungefährlichen Bemühungen. Solche Anerkennung wird ihm in den zahlreichen Preisen, die er für sein Engagement bereits erhalten hat, zuteil:

 

  • Friedensnobelpreis 2014
  • Verteidiger der Demokratie Preis (2009-USA)
  • Internationaler Preis des Alfonso Comin (2008-Spanien)
  • Medaille des Italienischen Senats (2007-Italien)
  • Freiheitspreis (2006-USA)
  • Wallenberg Medaille der Michigan Universität (2002-USA)
  • Preis der Friedrich Ebert Stiftung (1999-Deutschland)
  • La Hospitalet Preis (1999-Spanien)
  • De Gouden Wimpel Preis (1998-Niederlande)
  • Robert F. Kennedy Preis der Menschenrechte (1995-USA)
  • Der Trompeter Preis (1995-USA)
  • Aachener Internationaler Friedenspreis (1994-Deutschland)

Was können wir gegen Kinderarbeit tun?

Hier in Deutschland und in den übrigen westlichen Ländern sind Kinderarbeit, -sklaverei und -prostitution natürlich nicht so weit verbreitet wie in Indien. Hier kann man also beispielsweise nicht an Befreiungsaktionen aktiv teilnehmen. Was man jedoch immer tun kann, ist Spenden. Wir haben Ländern wie Indien gegenüber nämlich einen großen Vorteil: unseren Wohlstand. Das mag zugleich auch der Grund sein, warum wir uns in unserem eigenen Land relativ wenig mit dem Problem der Kinderarbeit auseinandersetzen müssen. Geld allein ist jedoch gerade bei Nichtregierungsorganisationen nicht alles. Auf diesem Gebiet hängt der Erfolg auch maßgeblich von der Arbeit engagierter, ehrenamtlicher Helfer ab. Denn auch hier kann man bei Organisationen wie beispielsweise Amnesty International bei der Mobilisierung von Spendern helfen. Die einfachste Weise, etwas zu bewirken, ist diese: man achtet auf sein Konsumverhalten. Indem man beispielsweise nur Teppiche mit dem „GoodWeave“ Siegel kauft, trägt man schon eine Menge zum Erfolg solcher Ideen und Projekte bei. Wir können vor allem passiv helfen. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass wir dafür einen Friedensnobelpreis erhalten werden, können wir mit unseren beschränkten Möglichkeiten tatsächlich etwas bewirken.

Hilfe durch den Nobelpreis

Die Entscheidung des Komitees, den Preis an Kailash Satyarthi zu geben, ist ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Kindern. Auch wenn der Friedensnobelpreis in den Augen mancher durch die Vergabe an gewisse Personen entwertet worden sein mag, so hilft dem 60 jährigen Familienvater die damit verbundene Aufmerksamkeit und das ebenfalls zum Preis gehörende Geld doch ungemein bei dem Weg zur Verwirklichung seines Ziels, nämlich einer Welt, die frei von Kinderarbeit ist.

 

Bildquelle: Bigstock-ID-24094991-by-zatletic

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