Ölpreise fallen – Benzinpreis bleibt

Wenn es um das Thema aktueller Ölpreis geht, entfachen momentan viele Diskussionen in der EU. Denn obwohl die Ölpreise in dieser Woche deutlich gesunken sind, sind zahlreiche Verbraucher erstaunt: Die Benzinpreise haben sich in der Bundesrepublik kaum verändert. So muss man weiterhin im Durchschnitt 1,39 Euro für Diesel und 1,49 Euro für Benzin pro Liter bezahlen – die Entlastungen beim Rohstoffeinkauf wurden also unmittelbar an den Kunden weitergegeben. Doch wieso wird das so gehandhabt?

Die Entwicklung der Benzinpreise im Jahr 2014 – aktueller Ölpreis so hoch wie lange nicht

Am teuersten war es für die Autofahrer im diesjährigen Juli: Im Sommer kostete ein Liter Super im Schnitt 1,59 Euro. Pro Barrel kostete das Rohöl von Brent ganze 144,40 Dollar – und das sind immerhin knapp 58 Cent pro Liter. Nur sechs Wochen später kostete der Sprit mit rund 1,49 Euro immerhin schon zehn Cent weniger, auch das Rohöl wurde wieder günstiger und kostete etwa 108 Euro pro Fass, also rund 46 Cent pro Liter. Angesichts dieser Zahlen erkennt man: Die Vergünstigung des Rohöls war tendenziell ausgeprägter als beim Benzinpreis.

Der Verbraucher tankt aber nun einmal Benzin und kein Rohöl – und massgeblich für dessen Preise sind insbesondere die Märkte im niederländischen Rotterdam. Seit dem Spitzenpreis des 4. Juli wurde der Sprit um rund 8,5 Cent billiger, an den Zapfsäulen der Tankstelle waren es sogar ganze 10 Cent. Noch deutlicher war der Rückgang beim Diesel: 14,3 Cent weniger als zuvor musste der Autofahrer zahlen. Grundsätzlich verhält sich die Entwicklung der Produktmärkte in Rotterdam ähnlich wie der Rohölmarkt, jedoch treten immer wieder ungeplante Marktereignisse auf, welche die Preise beeinflussen. Betrachtet man den Stand von 2013, so kann man dennoch auf den ersten Blick sehen, wie teuer der aktueller Ölpreis noch immer ist.

Aktueller Ölpreis: Starke Kritik aus Deutschland an den Tarifen

Obgleich die Ölpreise stark gesunken sind, haben die deutschen Automobilverbände die weiterhin sehr hohen Spritkosten beim Thema aktueller Ölpreis stark kritisiert. ADAC-Vorstand Peter Mayer sagte der BILD-Zeitung, dass er kein Verständnis dafür habe, dass die ansteigenden Preise für Rohöl direkt an den Verbraucher weitergereicht werden, bei sinkenden Preisen jedoch nichts geschieht. Genauso kritisiert auch der ACE (Auto Club Europa) die Grosskonzerne: Ölriesen nutzen zum Teil ihre Alleinstellung auf dem Markt aus und erzielen damit unglaubliche Gewinne – allerdings zu Lasten der Autofahrer.

Nicht unbedingt förderlich ist hierfür zudem, dass der Euro momentan stetig an Wert verliert. Weil Rohöl stets in US-Dollar gehandelt wird, werden die Preise für Abnehmer aus Europa automatisch teurer, da die Kaufkraft des Euros geringer ausfällt. Ein Beispiel: Am Mittwoch erreichte der Euro mit einem Gegenwert von 1,44 US-Dollar sogar den tiefsten Stand seit Beginn des Jahres 2014. Sogar im Juli waren es noch ganze 1,59 US-Dollar – genau dann, als die Preise für Rohöl am teuersten waren.

Dazu kommt noch: Die Preise für Rohöl entstehen in der Regel direkt an er Börse. Die momentanen Rückgänge wirken sich allerdings nur schleppend auf den Markt in Rotterdam aus. Ebenfalls verzögert wird alles durch die Preisweitergabe an die einzelnen Tankstellen. Und genau das ist der Kernpunkt für die meisten Experten: Sie sehen darin den exakten Grund, warum die Preise für Benzin immer teurer geworden sind. Vor dem letzten Wochenende verzeichnete man nämlich einen Anstieg der Rohölpreise aus Furcht vor einem Hurricane. Die Schäden regulieren dann aber das Angebot automatisch. Obwohl die Nachfrage gleich bleibt, werden die Preise immer teurer.

Keine Entwarnung für Autofahrer, aber Grund zur Hoffnung

Zwar ist bisher noch keine wirklich positive Entwicklung für die nächsten Wochen absehbar, dennoch erwarten Experten, dass die Tarife für Benzin und Diesel aber schon in den kommenden Tagen um ein paar Cent billiger werden. Einen richtigen Preissturz um 8% bzw. um 12 Cent wie beim Rohöl kann aber dennoch niemand erwarten – daran ist der schwache Euro schuld. Etwa zwei Prozent gehen allein schon für die Entwicklung des Wechselkurses drauf. Somit bleiben sechs Prozent übrig. Darüber hinaus entfallen ganze 60% unseres Spritpreises allein auf Steuern – und auch diese wurden bekanntlich in den letzten Jahren klar angehoben. Erwartet wird konkret, dass der Sprit im Zuge der seit Montag gesunkenen Rohölpreise immerhin 4 Cent günstiger wird.

  • Erstaunlich ist:
    Obwohl die Energiepreise in jüngster Vergangenheit wieder angestiegen sind, wirkt sich diese Entwicklung eher dämpfend auf die gesamte Preissituation in der Bundesrepublik aus. So betrug die Jahresinflation im diesjährigen September beispielsweise lediglich 0,8%, einige Monate zuvor lag sie allerdings noch 0,3% höher. Schuld ist daran ganz klar der steigende Energietarif. Vergleicht man den Anstieg der Energiepreise in der Bundesrepublik mit der Preisentwicklung in anderen europäischen Ländern, dann sieht die Lage aber eher mau aus: In Italien, Frankreich und sogar in Grossbritannien waren die Spritpreise im Spätsommer deutlich preiswerter als hierzulande.

Was bleibt also zum Thema aktueller Ölpreis zu sagen?

Für einen Rückgang der bereits erwähnten vier Cent beim Thema aktueller Ölpreis ist die Voraussetzung, dass die Entwicklungen auf den Terminmärkten günstig verlaufen und hier nicht plötzlich wieder höhere Tarife entstehen. Würde beispielsweise wieder eine Hurricane-Warnung ausgerufen, dann ist ein erhöhter Ölpreis fast schon eine garantierte Folge dessen. Eine Entwarnung kann daher wie gesagt zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gegeben werden – so auch Energieexperte Michael Wittner (Société Générale). Er fürchtet, dass die Hurricane-Jahreszeit noch bis Ende November dauern könnte und damit noch lange nicht alles vorbei sei. Die Konflikte zwischen der EU und Russland könnten allerdings langfristig dafür sorgen, dass der Ölpreis wieder ansteigt.

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